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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.9.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die Delegation der IPPNW-Ärzte und -Ärztinnen zum 20. Weltkongress in Japan ist zurückgekehrt. Während der Kongress in Hiroshima die TeilnehmerInnen im Hinblick auf das Plenum über die Fukushima-Folgen enttäuschte, war das Symposium zum gleichen Thema in Tokio ein großer Erfolg. Mehrere TeilnehmerInnen der deutschen IPPNW-Sektion haben zudem die Präfektur Fukushima besucht und dort unter anderem mit Ärzten und Betroffenen in der Gemeinde Kawauchi und Iitate gesprochen. Lesen Sie die Beiträge zum Weltkongress in unserem IPPNW-Blog.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Gesundheit der Menschen an erste Stelle setzen

Dr. Lars Pohlmeier und Dr. Jeff Patterson am Geigerzähler vor einem lokalen Gesundheitszentrum in Kaeru Kawauchi.

Eine Delegation von dreißig IPPNW-Ärzten, Medizinstudenten und Experten aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Finnland, Israel, Indien, Neuseeland und Australien haben am 28. August 2012 die Präfektur Fukushima besucht. Die Expertengruppe forderte Maßnahmen, die die Sicherheit und Gesundheit der Menschen in den kontaminierten Gebieten an erste Stelle setzen. "Bedauerliche Fehlinformationen sind verbreitet worden, auch von erfahrenen Experten und in Materialien für den Schulunterricht, die Risiken ionisierender Strahlung herunterspielen. Der korrumpierende Einfluss der japanischen Atomlobby ist weitreichend. Die Bereitstellung korrekter, unabhängiger, rechtzeitiger öffentlicher Informationen ist essenziell", heißt es in der Erklärung.  mehr

Die Bevölkerung schützen

Symposium über die gesundheitlichen  Herausforderungen der atomaren Katastrophe von Fukushima am 27.8.2012 in Tokio, Foto: IPPNW

Das Symposium über die gesundheitlichen Herausforderungen der atomaren Katastrophe von Fukushima in Tokio war gut besucht. Circa 150 Zuhörer kamen in die Bibliothek im Hibiya Park, um von Ärzten, Politikern und Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen zu hören, wie die Bevölkerung der kontaminierten Gebiete geschützt werden kann. Hisako Sakiyama, die Mitglied der unabhängigen Untersuchungskommission der Fukushimakatastrophe war, beklagte sich über die Lehrbücher des japanischen Bildungsministeriums, in denen die These vertreten wird, dass eine Strahlung unter 100  mSv unbedenklich sei. Die Abgeordnete Tanioka Ikuko stellte ein Gesetz für die Opfer der atomaren Katastrophe (insbesondere Kinder) vor, für dessen Verabschiedung sie sich vehement eingesetzt hatte. Dazu gehören z.B. besondere Schutzmaßnahmen für schwangere Frauen und Kinder, zeitweise Evakuierungen und Messungen von Schulessen auf Radioaktivität.

Vögel zur Dekontamination

Ein Farmer glaubt, Enten und Gänse würden das Cäsium 137 aus seinen Reisfeldern wegessen. Foto: Helmut Käss

Im Anschluss an den Kongress fahren etwa 30 TeilnehmerInnen in die 1,5 Bahnstunden von Tokio entfernte Stadt Fukushima. Dort steht ein Bus, der uns zur 20-km-Zone fährt in den Ort Kaeru Kawauchi. Wir fahren durch bergige, bewaldete Gegenden, kommen durch verlassene Dörfer, sehen die riesigen blauen Säcke, in denen die abgetragene radioaktiv verseuchte Erde aufbewahrt wird; Millionen Bq/kg Erde. Im Bus messen wir 3,5 µSv/h, draußen sind es 1,5 Mal so viel. Während der Fahrt erfahren wir viele Einzelheiten: Es gibt evakuierte Menschen, zurzeit etwa 340.000 und freiwillige Flüchtlinge. Sie stammen nicht nur aus der Präfektur Fukushima, sondern auch aus dem Osten Tokios und der angrenzenden Präfektur. Nur die offiziell Evakuierten erhalten finanzielle Kompensationen; offiziell von Tepco, aber jeder weiß, die Regierung zahlt, denn Tepco ist pleite.

Deformierte Schmetterlinge

The biological impacts of the Fukushima nuclear accident on the pale grass blue butterfly/Atsuki Hiyama, Chiyo Nohara, Seira Kinjo, Wataru Taira, Shinichi Gima, Akira Tanahara (CC BY-NC 2.5)

Die Atomkatastrophe von Fukushima führte zu Missbildungen bei Schmetterlingen in der Umgebung des japanischen Atomkraftwerks. Noch in dritter Generation führte die Radioaktivität in der Umgebung der Atomkraftwerke bei den Nachkommen von Schmetterlingen der Bläulingsart Zizeeria maha zu Gen-Mutationen. Das berichteten Wissenschaftler der Ryukuyu-Universität von Nishihara auf Okinawa/Japan im August 2012. (aus dem Strahlentelex Nr. 616/617/2012 vom 6. September 2012)