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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.11.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Tepco beziffert den Schaden der Fukushima-Katastrophe laut der Nachrichtenagentur AFP auf derzeit 97 Milliarden Euro. Seit der letzten Schätzung vom April 2012 haben sich die voraussichtlichen Kosten damit verdoppelt. Der japanische Staat, der seit April 2012 Haupteigentümer von Tepco ist, muss damit auch für die Kosten in Höhe von rund zwei Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts aufkommen. Experten befürchten, dass dies die Staatsschulden Japans erheblich in die Höhe treiben wird.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen untersuchen

WHO-Generalsekretärin Margret Chan

Die deutsche Sektion der IPPNW hat in einem Brief an die Weltgesundheitsorganisation appelliert, die medizinische Forschung über die Gesundheitsfolgen der atomaren Katastrophe von Fukushima erheblich auszuweiten. Die von United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) für 2013 geplante Studie soll ausschließlich grobe Abschätzungen verschiedener japanischer und internationaler Experten berücksichtigen, aus denen dann die zu erwartenden Gesundheitseffekte theoretisch abgeleitet werden. Dringend notwendig seien jedoch unabhängige epidemiologische Studien sowie die baldige Einrichtung eines umfassenden Registers, in dem alle Menschen erfasst werden, die aufgrund der Katastrophe von Fukushima vermutlich mehr als 1 mSv Strahlung durch unterschiedliche Quellen ausgesetzt waren. mehr

Gundersen rechnet mit massiver Zunahme von Krebserkrankungen

Frau Shima zeigt die Aufnahmen der Schilddrüse ihrer 11-jährigen Tochter. Quelle: Fukushima Diary

Fairewinds Nuklearingeneur Arnold Gundersen geht davon aus, dass die Kernschmelze in Japan etwa eine Million Krebserkrankungen verursachen wird. Er meint, dass die Berechnungen bisher den Lebensstil der Japaner nicht ausreichend berücksichtigt hätten, die häufig auch am Boden sitzend Zeit in ihren Wohnungen verbringen. Untersuchungen von Inhalten von Staubsaugerbeuteln ergaben, dass Schmutzpartikel vom Fußboden besonders massiv verstrahlt sind. Arnie Gundersen, der früher in der Atomindustrie tätig war, dann aber als "Whistleblower" ausstieg, sagt: "Ich komme auf eine Zahl von etwa einer Million Krebsfällen. Wir sehen jetzt schon, dass von den Kindern, die in den letzten paar Monaten untersucht wurden, beinahe die Hälfte Knötchen an der Schilddrüse bzw. Zysten aufweist. Normal wären etwa 1 bis 2 %. Dieser Anstieg an Indikatorphänomenen für Schilddrüsenkrebs ist also wirklich enorm."

25.500 Euro für Kinderorchester in Soma

Kinderorchester in der japanischen Stadt Soma-City, Foto: Tatsuya Sasaki

Der Erlös des IPPNW-Benefizkonzerts zugunsten des Kinderorchesters in der Stadt Soma vom September diesen Jahres in der Berliner Philharmonie steht fest: 25.500 Euro kamen zusammen. Die Stadt - nahe der zerstörten Atomreaktoren von Fukushima-Daiichi - wurde in großen Teilen verwüstet und ist radioaktiv belastet. "Das Orchester soll den Kindern – nach dem Vorbild des Venezuela-Musikprojekts "El Sistema" – ein neues Zuhause geben und ihnen ein Lichtblick in dieser düsteren Zeit sein. Ihre Musik wird auch Nahrung für die Seelen der älteren Menschen sein, um den mühevollen Alltag besser zu überwinden", so Peter Hauber, IPPNW-concerts.

Japan nach Fukushima - Vortragsreise von Kazuhiko Kobayashi

Kazuhiko Kobayashi bei seinem Vortrag in Berlin am 30. Oktober 2012. Foto: Tsukasa Yajima

Der japanische Atomkraftgegner Kazuhiko Kobayashi aus Tokio, der sich vehement für einen Ausstieg aus der Atomenergie einsetzt, hat im Rahmen einer bundesweiten Vortragsreise unter anderem Station in Berlin, Bremen, Bielefeld und Langen gemacht. Auf Einladung von IPPNW-Regionalgruppen und Anti-Atom-Initiativen erzählte er von den Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima. Er berichtete unter anderem über die stark angewachsene japanische Anti-Atomkraft-Bewegung. Nach wie vor finden an jedem Freitag in Tokio große Anti-Atomkraft-Demonstrationen statt, an denen bis zu 200.000 Menschen teilnehmen. Besonders am Herzen liegen Kazuhiko Kobayashi die Kinder, die von der Reaktorkatastrophe stark betroffen sind. Bei den Veranstaltungen sammelte er Spenden, die für den Aufbau eines unabhängigen Gesundheitszentrums für Kinder in der Präfektur Fukushima bestimmt sind.