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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.12.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

nach einem noch unveröffentlichten Bericht der WHO, der der japanischen Zeitung Asahi Shimbun vorab vorliegt, ist das Krebsrisiko durch den Atomunfall von Fukushima angeblich nicht signifikant angestiegen. Das Gesundheitsrisiko für die Menschen außerhalb der Fukushima-Präfektur sei vernachlässigenswert. IPPNW-Arzt Dr. Alex Rosen hat den im Mai veröffentlichten vorläufigen WHO-Bericht in seiner Analyse als nicht wissenschaftlich und verharmlosend kritisiert.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Durchhalteparolen und falsche Strahlenmessungen

Messgerät in der Präfektur Fukushima. Foto: Lars Pohlmeier

Allein in der Präfektur Fukushima wurden inzwischen insgesamt mehr als 1.000 Messgeräte zu Zwecken des Strahlen-Monitorings und zur Information der Bevölkerung aufgestellt. Eine systematische Überprüfung von 200 solcher Geräte durch die Gruppe der Citizen´s Radioacitivity Measuring Station (CRMS) in Minami-Soma ergab, dass diese Geräte häufig nur etwa ein bis zwei Drittel des wahren Wertes anzeigen. (aus dem aktuellen Strahlentelex Nr. 622-623)

"Die japanische Regierung möchte nicht, dass die Menschen die Wahrheit erfahren"

Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futabamachi

Das erklärte Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futabamachi, der seine Stadt in der Evakuierungszone von Fukushima verloren hat, am 30. Oktober 2012 vor dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf. "Vor Kurzem fand am Sitz der Präfekturregierung von Fukushima ein geheimes Treffen statt, um die Informationen zu kanalisieren, die an die Öffentlichkeit gehen. Man kam überein bekannt zu geben, dass keine Anomalien bei der großen Gesundheitsstudie der Präfektur gefunden worden seien, trotz der hohen Inzidenz von Schilddrüsenanomalien bei den untersuchten Kindern. Die Beamten der Präfektur, deren Aufgabe es ist, unser Leben zu schützen, haben uns mehrfach belogen oder Informationen zurückgehalten", so Idogawa in seiner Rede. (aus Strahlentelex Nr. 622-623/2012)

Verbrennung von kontaminiertem Schutt

Radioaktiver Schrott wird verladen zur Verbrennung in Osaka

Monatelange Bürgerproteste gegen die Verbrennung von kontaminiertem Müll aus der Präfektur Iwate haben die Verwaltung der Präfektur Niigata gezwungen, den bisher gelieferten Müll zurück nach Otsuchi-machi/Iwate zu schicken. Damit ist der Umgang mit diesem problematischen Müll zwar weiterhin offen, die Katastrophe der Verbrennung und der damit verbundenen Verbreitung der enthaltenen Nuklide über Abluft und Asche ist aber zunächst erfolgreich gestoppt. (Aus dem Strahlentelex Nr. 622-623/2012)

Säuglingssterblichkeit in Japan nach Fukushima

Abweichung der monatlichen Geburtenzahlen in Japan vom Erwartungswert, Quelle: Alfred Körblein

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima Dai-ichi zeigen sich nach Angabe von Dr. Alfred Körblein in den japanischen Daten der Säuglingssterblichkeit ausgeprägte Spitzen in den Monaten Mai und Dezember 2011, 2 bzw. 9 Monate nach der atomaren Katastrophe von Fukushima. Nach Tschernobyl ergab eine Auswertung von Daten der frühen Säuglingssterblichkeit aus Westdeutschland Maxima im Juni 1986 und im Februar 1987, also mit ähnlichem zeitlichem Abstand von der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986. Im Dezember 2011 zeigt sich in Japan laut Körblein zudem ein deutliches Defizit bei der Anzahl der Geburten. (aus dem Strahlentelex Nr. 622-623/2012)

Mit Musik seelische Wunden heilen

Kinderorchester der Stadt Soma

Die Stadt Soma liegt in der Präfektur Fukushima, etwa 45 Kilometer nördlich vom Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi. Sie wurde in großen Teilen verwüstet und ist radioaktiv kontaminiert. Die Strahlenwerte liegen nach Angabe von Norio Sato, stellvertretender Bürgermeister des Landkreises Soma, zwischen 0,2 Mikrosievert in der Stadt und 2 Mikrosievert in den Bergen der Region, wo etwa 180 Menschen leben. 457 Menschen in Soma wurden durch das Erdbeben und den Tsunami getötet, 44 Kinder verloren einen oder beide Elternteile. Viele der Kinder leben immer noch in Notunterkünften und leiden unter den traumatisierenden Nachwirkungen des Super-GAUs. Die Idee zur Gründung eines Kinderorchesters begann mit einem Besuch von Berliner Philharmonikern im November 2011 in Tokio, wo sie Kinder aus der Region Soma trafen, die zu dem Konzert geladen waren. (Aus IPPNW-Forum 132/2012)