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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.01.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Japan hat gewählt. Wie leider zu erwarten war, hat die neue Regierung den Ausstieg aus dem Atomausstieg erklärt und angekündigt, die noch stillgelegten japanischen Atomreaktoren wieder anzufahren. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo gab die japanische Atomregulierungsbehörde Anfang November 2012 bekannt, dass 4 von 6 Mitgliedern einer Kommission, die neue Sicherheitsbestimmungen für Atomkraftwerke konzipieren soll, in den letzten 3 bis 4 Jahren Zahlungen aus der Atomindustrie in Form von Honoraren, Spenden oder Stipendien erhalten haben. Es geht dabei um Beträge zwischen 3 und 27 Millionen Yen (100 Yen = ca. 1 Euro).

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Falsche Strahlenmessungen beim Umweltmonitoring in Fukushima

Messgerät in der Präfektur Fukushima. Foto: Lars Pohlmeier

Die amtlichen Geräte in der japanischen Präfektur Fukushima zeigen häufig nur ein bis zwei Drittel des wahren Wertes an. Das ergaben systematische Kontrollmessungen der Bevölkerung in der unmittelbaren Umgebung der Messstation, die bereits im September veröffentlicht wurden. Der Aufstellort der Geräte wurde offenbar besonders gereinigt oder es wurde eine Metallplatte unter dem Detektor platziert. Weil auch unmittelbar am Gerät selbst andere Werte als die angezeigten ermittelt wurden, ist davon auszugehen, dass auch die amtlichen Geräte selbst manipuliert wurden. Die Abweichungen vom wahren Wert sind um so größer, je höher die Ortsdosisleitung ist. (aus dem Strahlentelex Nr. 624-625/2013)

Neue "Schutzmaßnahmen bei Krisen" in Japan

Eine Effektivdosis von 50 Millisievert innerhalb einer Woche soll laut NRA "Indikator für Evakuierungen als Schutzmaßnahmen bei Krisen" sein. Foto Messgerät: L. Pohlmeier, IPPNW

Die japanische Nuclear Regulation Authority beim japanischen Umweltministerium hat am 13. Dezember 2012 "Überlegungen" zur Festsetzung sogenannter Optimierter Eingreifrichtwerte für Schutzmaßnahmen bei Atomkatastrophen veröffentlicht. Sie bezieht sich bei ihrer Planung für neue Atomkatastrophen ausdrücklich auf die Methodik der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) – der internationalen Lobbyorganisation der Atommächte und der Atomindustrie. Deren Leitlinien konzentrieren sich jedoch lediglich auf die Vermeidung akuter Strahlenwirkungen und eine Optimierung von Maßnahmen im Sinne monetärer Kosten-Nutzen-Analysen. (aus Strahlentelex Nr. 624-625/2013)

Frühe Messung von radioaktivem Fallout in Fukushima-Stadt

Geschätzte Cäsium-Kontamination vin 20.3.-19.4.2011 im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States f America"

Anfang Dezember 2012 veröffentlichten die japanischen Wissenschaftler Masashi Takada, Toshikazu Suzuki vom National Institute of Radiological Sciences auf Chiba, Ergebnisse früher Messungen von radioaktivem Fallout und Dosisabschätzungen in der Stadt Fukushima. Sie untersuchten eineinhalb Tage nach Unfallbeginn genommene Proben gammaspektrometrisch aus dem Innen- und Außenbereich und identifizierten dabei elf künstliche und 5 natürliche Radionuklide. In einem Worst-Case-Szenario wurden die maximale Haus-Dosisleistungen zu 520 bis 679 Mikrosievert pro Stunde abgeschätzt. (Aus dem Strahlentelex Nr. 624-625/2013)

IAEO sucht ihren Einfluss auszuweiten

Mitglieder der IAEA auf dem Weg zum AKW Fukushima am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Mitte Dezember 2012, eindreiviertel Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima Daiichi, traf sich die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) für drei Tage in der Stadt Koriyama in der japanischen Präfektur Fukushima, um einen Aktionsplan für verbesserte Atomsicherheit zu verhandeln. Ein Abschied vom Atomstrom stand jedoch nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil: Ziel der Organisation ist es nach Artikel 2 ihres Statuts, „in der ganzen Welt den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand zu beschleunigen und zu steigern.“(aus dem Strahlentelex Nr. 624-625/2013)