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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.02.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die IPPNW wird zum zweiten Jahrestag der Katastrophe von Fukushima eine ganzseitige Anzeige in einer großen überregionalen Zeitung veröffentlichen. In Japan zeigen sich bei Mensch und Tier schon erste Folgen der freigesetzten radioaktiven Spaltprodukte; entsprechend den Tschernobyl-Erfahrungen müssen zahlreiche Erkrankungen mit etwas längeren Latenzzeiten in den nächsten Jahren befürchtet werden. Im Anzeigentext haben wir ein paar Tschernobylfolgen aufgeführt, von denen auf den mutmaßlichen weiteren Verlauf in Japan geschlossen werden kann. Machen Sie mit und unterzeichnen Sie den Text in Ihrem Namen.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

IPPNW-Anzeige: 27 Jahre Tschernobyl - 2 Jahre Fukushima

27 Jahre Tschernobyl - 2 Jahre Fukushima: Das Atomzeitalter beenden!

27 Jahre Tschernobyl: Schilddrüsenkrebs und Leukämie sind seit dem vierten Jahr nach der Katastrophe bei Kindern und Erwachsenen allgegenwärtig. An den Folgen der Tschernobyl-Strahlung sind nach sorgfältigen Berechnungen europaweit 1, 6 Millionen Menschen gestorben. Von den 800.000 Liquidatoren leben über 125.000 nicht mehr. Hunderttausende sind schwer krank. Die Neugeborenensterblichkeit ist erhöht. Angeborene Fehlbildungen nehmen mit jeder Generation zu. 2 Jahre Fukushima: Schilddrüsenzysten und -knoten sind bei über 35% der Kinder in der Präfektur Fukushima nachgewiesen, normalerweise aber in diesem Lebensalter sehr selten. Schilddrüsenkrebs ist ab 2014/15 zu befürchten, Leukämie etwas später. Im Dezember 2011, neun Monate nach der Katastrophe, war in Japan die Säuglingssterblichkeit erhöht, die Geburtenzahlen gingen deutlich zurück.

Radioaktive Belastung von Fischen und Meeresfrüchten

Foto: jpellgen/flickr (CC BY-NC-ND 2.0) Fresh Fish at Tsukiji market in Chuo-ku, Tokyo.

Im Laufe der Katastrophe von Fukushima sind Schätzungen zufolge allein an radioaktivem Cäsium, 37 Billiarden Becquerel in den Ozean geraten, aber auch Binnengewässer wurden kontaminiert, berichtet die verbraucherorientierte japanische Zeitung Tabemono Tsushin in einem Schwerpunkt zum Thema. Teilweise wurden die radioaktiven Substanzen durch die Strömung verteilt, an manchen Orten blieb die Belastung aber auch gleich. Bewährte Methoden zur Dekontamination gibt es bisher nicht. Die einzigen Maßnahmen um den Verzehr von belastetem Fisch zu verhindern, sind derzeit Fang- und Verzehrverbote sowie regelmäßige Messungen. Da die bisherigen stichprobenartigen Messungen, die amtliche Stellen durchführen, die japanischen Verbraucher nicht überzeugten, gründeten betroffene Fischer die „Gesellschaft für Umweltforschung“ und entwickelten mit der Universität von Tokio ein neues Messsystem, durch das der Fang in 7-8 Sekunden untersucht werden kann, das aber noch nicht funktioniert.

Ausführlichere Informationen zur Belastung und Messungen von Fisch finden Sie im aktuellen Strahlentelex. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Schilddrüsendosiswerte angeblich unbedenklich

Japanische Wissenschaftler gaben Ende Januar dieses Jahres bekannt, dass die Bevölkerung durch das bei der Atomkatastrophe von Fukushima freigesetzte radioaktive Jod angeblich nicht gefährdet sei. Grundlage für diese wagemutige Einschätzung sind die Ergebnisse der kurz nach dem GAU von Fukushima durchgeführten Schilddrüsenscreenings. Jedoch wurden die Schilddrüsendosen – ebenso wie in der Sowjetunion nach Tschernobyl – nicht wirklich gemessen, sondern nur geschätzt und berechnet. Laut der aktuellen Ausgabe des Strahlentelex erfolgte die Berechnung der Schilddrüsendosis aus der Differenz zwischen dem Messwert vom Hals der Untersuchten und der erhöhten Hintergrundstrahlung. Um aber die tatsächliche Organdosis der Schilddrüse zu bestimmen, hätte man die Aktivitätsmenge des Radiojods in der Schilddrüse ermitteln müssen. Tatsächlich haben also nie wirkliche Schilddrüsenmessungen stattgefunden, die eine zuverlässige Aussage über die tatsächliche Gefährdung zulassen.

Den vollständigen Artikel können Sie im aktuellen Strahlentelex lesen. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Auswertung von Messwerten der CRMS

Gemüse in einem Supermarkt in der Präfektur Fukushima

Eine Analyse der Messwerte der „Citizen’s Radioactivity Measuring Stations“ (CRMS) in Japan wurde von Michael Cosacchi durchgeführt und kann jetzt von der Internetseite des Strahlentelex abgerufen werden:

www.strahlentelex.de/Analyse_der_CRMS-Daten_von_Michael_Cosacchi.pdf

Michael Cosacchi lebt derzeit im Rahmen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes für ein Soziales Jahr in Japan und hat eine einfach verständliche, zweisprachige (deutsch und japanisch) „rote“ Liste von Lebensmitteln erstellt, die beim Einkauf in Japan vermieden werden sollten.

Die "Citizen’s Radioactivity Measuring Station (CRMS)" ist eine Bürgerinitiative, die unabhängige eigene Messstellen in Japan aufbaut, in denen Bürger Nahrungsmittel auf radiaktive Belastung testen lassen können.

Demonstrationen und Aktionen zum 2. Fukushima Jahrestag

Die Atomkatastrophe von Fukushima dauert an. Mindestens 380.000 Menschen mussten evakuiert werden – vermutlich für Jahrzehnte. Viele Regionen auch außerhalb der Sperrzone sind radioaktiv stark belastet, Lebensmittel verseucht. In den baufälligen Ruinen der Reaktoren kann es jederzeit erneut zu massiver Freisetzung von Strahlung kommen. Und bei uns? Als Reaktion auf Fukushima wurden acht Atommeiler abgeschaltet. Neun sind weiter am Netz und sollen zumeist noch bis 2022 laufen. Dabei zeigt ein offizieller Stresstest: Diese Reaktoren sind nicht sicher. Kommt es zur Katastrophe, gibt es kein Entfliehen. Selbst in einer Entfernung von 170 km müssten Menschen vor der radioaktiven Gefahr evakuiert werden. Das ist unmöglich. Deshalb bleibt Fukushima eine Mahnung an alle: Atomausstieg – jetzt!

Zum zweiten Fukushima-Jahrestag finden Demonstrationen und Aktionen in Grohnde, Gronau und Gundremmingen und in Neckarwestheim statt. Mehr Informationen zu den Demos auf den verlinkten jeweils Homepages oder unter: anti-atom-demo.de/start/aktionsorte/