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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.03.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

heute jährt sich die atomare Katastrophe von Fukushima zum zweiten Mal. Die IPPNW hat in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung eine ganzseitige Anzeige "27 Jahre Tschernobyl - 2 Jahre Fukushima" geschaltet. 2.328 Ärztinnen und Ärzte und Förderer der IPPNW haben die Anzeige unterzeichnet und das Abschalten der letzten neun Atomkraftwerke in Deutschland gefordert. Sie können die Anzeige hier als pdf-Datei herunterladen. 

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Gesundheitliche Folgen von Fukushima

Die Nahrungskette in Japan ist seit 2011 durch Fukushima vielfach belastet mit Radionukliden, Bild: IPPNW

Zum zweiten Jahrestag der von einem Erdbeben ausgelösten Atomkatastrophe vom 11. März 2011 in Japan legt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW eine quantitative Abschätzung der „Gesundheitlichen Folgen von Fukushima“ vor. Der Report, verfasst von Henrik Paulitz, Dr. Winfrid Eisenberg und Reinhold Thiel, dokumentiert besorgniserregende Befunde, die schon jetzt, nur zwei Jahre nach dem Super-GAU sichtbar werden. Der Nürnberger Wissenschaftler Dr. Alfred Körblein fand für ganz Japan einen signifikanten Rückgang der Geburten genau 9 Monate nach Fukushima. mehr 

Kritische Analyse der WHO-Bewertung von Gesundheitsrisiken nach Fukushima

Schilddrüsenuntersuchung bei einem Jungen in der „Fukushima collaborative clinic“, einer privaten Klinik, die unabhängige Screenings anbietet.© Ian Thomas Ash 2013 www.DocumentingIan.com

Am 28. Februar 2013 veröffentlichte die WHO ihre "Gesundheitsrisikobewertung" zur atomaren Katastrophe von Fukushima. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass "die prognostizierten Risiken für die allgemeine Bevölkerung innerhalb und außerhalb Japans niedrig sind und kein signifikanter Anstieg der Krebsraten oberhalb des Normalniveaus zu erwarten ist." In der Analyse von Dr. Alex Rosen von der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) werden die wichtigsten Einwände gegen den Bericht erläutert, und aufgezeigt, warum dieser weder als objektive Bewertung der aktuellen Gesundheitsrisiken angesehen noch als belastbare Grundlage für
zukünftige Beschlüsse und Empfehlungen herangezogen werden kann.

Rückgang der Geburten in Japan 9 Monate nach Fukushima

Abweichung der monatlichen Geburtenzahlen in Japan vom Erwartungswert, Quelle: Alfred Körblein

Im Dezember 2011, 9 Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, zeigt sich ein signifikanter Rückgang der Geburten gegenüber dem Trend der Jahre 2006 bis 2011 um 4,7 Prozent (P=0,007) in Japan und um 15 Prozent (P=0,0001) in der Präfektur Fukushima. Ein ähnlicher Effekt findet sich in etlichen europäischen Ländern im Februar 1987, circa 9 Monate nach Tschernobyl. Dabei ist der Rückgang auf nur einen Monat beschränkt, was auf vermehrte spontane Aborte schließen lässt. Der Befund legt nahe, dass die Aborte auf die Strahlenbelastung zurückzuführen sind.

Den ausführlichen Artikel von Alfred Körblein finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 628-629/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Vermehrt Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Japan

Schilddrüsenuntersuchungen bei japanischen Kindern.

Bald nach dem Unfall von Fukushima begann die Präfektur mit Reihenuntersuchungen der Schilddrüsen an Kindern und Jugendlichen – vom Säugling bis zum Alter von unter 18 Jahren. Am 13. Februar 2013 fand erneut eine öffentliche Sitzung des Lenkungsausschusses für die Gesundheitsstudie an den Einwohnern der Präfektur Fukushima statt. Im Anschluss gab es eine Pressekonferenz. Thema waren die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchungen an 38.114 Kindern im Jahr 2011. Von diesen waren 186 aufgefordert worden, sich gründlichen Nachuntersuchungen zu unterziehen. 24 dieser Kinder erschienen nicht. Die Nachuntersuchungen sind für 151 Kinder inzwischen abgeschlossen, für 11 Kinder dauern sie noch an. 118 Kinder wurden wegen Verdachts auf ernste Erkrankungen in ärztliche Behandlung überwiesen. Zytologische Untersuchungen sind bei 76 Kindern abgeschlossen, bei 42 Kindern wurden sie noch nicht durchgeführt. Bei 10 der Kinder, die sich einer zytologischen Untersuchung unterziehen mussten, besteht im Ergebnis ein Krebsverdacht. Der Verdacht ist bei 3 Kindern nach einer Schilddrüsenoperation bestätigt worden – gefunden wurde bei jedem der drei Kinder ein papilläres Karzinom. Bei 7 Kindern ist der Verdacht noch nicht bestätigt.

Der Bürgermeister der evakuierten Stadt Futaba trat zurück

Katsutaka Idogawa, Bürgermeister von Futabamachi

Futaba-machi ist der Ort, zu dem das Kernkraftwerk Fukushima Dai-ichi verwaltungstechnisch gehört. Die Gemeinde ist auf Anweisung der Behörden und mit gutem Grund evakuiert. Ihre etwa 7.000 Bewohner sind in ganz Japan verstreut. Allerdings leben viele von ihnen in drei weit voneinander entfernten Zentren mit provisorischen Unterkünften. Familien und Nachbarschaften sind oft getrennt. Viele Leute haben keine Arbeit. Die Gemeinde mit Bürgermeister, Gemeindevertretung und Gemeindeverwaltung existiert aber weiter. Nach einem Mißtrauensvotum und Neuwahlen der Gemeindevertretung trat der engagierte Bürgermeister Kasutaka Idogawa zurück.

Den ausführlichen Artikel finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 628-629/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.