Schlechte Darstellung im Email-Programm? Im Browser aufrufen.

IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.05.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

anlässlich des 27. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben am 21. April 2013 rund 4.000 Menschen an den AKW-Standorten Brokdorf und Grafenrheinfeld für einen schnelleren Atomausstieg demonstriert. Zentrale Forderung der Demonstranten war, die neun noch laufenden Atomkraftwerke schneller als erst 2022 abzuschalten. Denn in jedem Reaktor kann es jeden Tag zum Super-GAU kommen, wie in Japan geschehen. Den IPPNW-Report "Gesundheitliche Folgen von Fukushima" gibt es jetzt auch auf Englisch: "Health consequences resulting from Fukushima".

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Kontaminierte Lebensmittel und neue Forschungsergebnisse

© De Cort et al: Atlas of Caesium Deposition on Europe after the Chernobyl accident (1998), Angaben in Ci/Quadrat-km

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW erinnerte daran, dass 27 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Lebensmittel noch immer mit radioaktivem Cäsium kontaminiert sind. Ausgerechnet in Japan wurden vor kurzem in deutscher Heidelbeermarmelade rund 22 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm (Bq/kg) gefunden, wie der Informationsdienst "Strahlentelex" berichtet. Da das kurzlebigere Cäsium-134 nicht enthalten war, ist davon auszugehen, dass es sich in der deutschen Marmelade um Cäsium-137 aus Tschernobyl handelt. Lesen Sie die IPPNW-Pressemitteilung vom 24.4.2013

Keine Heidelbeer-Konfitüre ohne Radionuklide aus Tschernobyl

Weiterhin Tschernobyl-Radiocäsium in Heidelbeermarmelade, Foto: Bürgermessstelle Yokohama

Das radioaktive Erbe der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist auch 27 Jahre danach bei uns immer noch präsent. Alle Heidelbeer-Konfitüren enthielten radioaktives Cäsium-137 aus dem Fallout von Tschernobyl. Das ergab jetzt ein Test der Zeitschrift Gesundheitstipp der schweizerischen Konsumenteninfo AG. Sie ließ 14 Heidel- und 6 Waldbeerkonfitüren untersuchen und veröffentlichte die Ergebnisse in ihrer April-Ausgabe 2013. Bei den Heidelbeerkonfitüren lagen die Belastungen demnach zwischen 0,36 und 133 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm. 9 Sorten enthielten weniger als 10 Becquerel pro Kilogramm und 5 Sorten lagen darüber. Am meisten strahlte die Konfitüre einer Bio-Marke. Die dafür verwendeten Heidelbeeren enthielten damit mehr als 200 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm (berechnet nach dem Fruchtanteil). Grund ist die Verwendung von belasteten Beeren aus Ost- und Nordeuropa. Die Herkunft der Beeren muss auf den Verpackungen nicht angegeben werden.

Lage in Tschernobyl und Fukushima ist weiter kritisch

IPPNW-Ärztin Dörte Siedentopf hat am 24.4. als Expertin in einer Öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages referiert.

Nach den Atomunfällen von Tschernobyl im Jahr 1986 und Fukushima Dai-ichi im Jahr 2011 werden die Lage vor Ort und die Folgen für Menschen, Flora und Fauna von Experten als kritisch eingeschätzt. "Die Situation ist nach wie vor gefährlich", sagte Wladimir Kuznetsov, Direktor des Nuklear- und Strahlensicherheits-Programms von Green Cross Russland über den Zustand der Anlage in Tschernobyl bei einer Anhörung vor dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages am 24. April 2013. Dörte Siedentopf, Vorstandsmitglied der IPPNW erklärte, dass in Japan zwischen 20.000 und 100.000 zusätzliche Krebsfälle zu erwarten seien. Die Ärztin wies darauf hin, dass gerade auch niedrige Strahlendosen Zellschäden verursachen könnten.

Schilddrüsenunterfunktion bei Neugeborenen im Westen der USA

Angeborene Hypothyreose bei einem 6 Monate alten Baby. Sie stellt eine besondere Form der Schilddrüsenunterfunktion dar. Foto: Wikipedia

Eine neue Studie aus den USA findet nach der Reaktorenkatastrophe von Fukushima Anfang März 2011 eine signifikant erhöhte Anzahl von Neugeborenen mit Schilddrüsenunterfunktion in 5 westlichen US-Staaten (Alaska, Washington, Oregon, Kalifornien und in Hawaii). Die Autoren führen dies auf die Aufnahme von radioaktivem Jod aus Fukushima während der Schwangerschaft zurück. Eine Überprüfung der Analyse ergibt, dass die Zunahme der Fallzahlen im Jahr 2011 gegenüber 2010 nicht signifikant ist (p=0,067), aber bezogen auf die jeweilige Anzahl der Lebendgeburten (Prävalenz) eine statistisch signifikante Erhöhung um 33 Prozent aufweist (p=0,004).

Den ausführlichen Artikel von Alfred Körblein finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 632-633/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.