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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.06.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

der Atomunfall von Fukushima hat laut einer Pressemitteilung des United Nations Information Service keine direkten Gesundheitsfolgen. Es werde nicht erwartet, dass als Folge der Strahlenverseuchung in Zukunft mehr Krebsfälle auftauchen. Die Medien verbreiteten diese Meldung Ende Mai unkritisch und unhinterfragt, obwohl die Studie selbst erst im Herbst diesen Jahres vorgelegt wird. Somit ist eine fundierte Analyse der Studie nicht möglich - dennoch ist davon auszugehen, dass, ähnlich wie schon in der WHO-Publikation von Februar, schöngerechnete Annahmen als Grundlage genommen wurden. Die deutsche IPPNW hatte Anfang März eine quantitative Abschätzung der
„Gesundheitlichen Folgen von Fukushima“ vorgelegt, in der die Ärzteorganisation errechnete, dass in den nächsten Jahrzehnten auf Grund der Atomkatastrophe mehr als 20.000 zusätzliche Krebsfälle in Japan zu erwarten sind - eine"triviale Zahl", die in der Bevökerungsstatistik wohl nicht merklich auffallen dürfte, aber für die Betroffenen dennoch lebenswichtig sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Alex Rosen und Angelika Wilmen

Weitere Fälle von Schilddrüsenkrebs in Japan bestätigt

Schilddrüsenuntersuchung bei japanischem Mädchen.

Anfang Juni meldeten japanische Medien derweil, dass die Zahl der Unter-18-Jährigen in der Präfektur Fukushima mit Schilddrüsenkrebs auf 12 gestiegen ist, 15 weitere Kinder stehen wegen des Verdachts auf Schilddrüsenkrebs unter Beobachtung. Wie immer, wenn es um solche Meldungen geht, ist Vorsicht angesagt: auf der einen Seite würde man einen Anstieg der Schilddrüsenkrebsrate erst in einigen Jahren erwarten, zum anderen ist von einer systematischen Unterschätzung der Krebsfälle durch die Behörden auszugehen. Wie diese beiden Faktoren mit den erschreckend hohen Inzidenzraten in Japan nur zwei Jahre nach Beginn der Katastrophe zusammenpasst bleibt abzuwarten. Die IPPNW bleibt dabei, alle neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse kritisch auszuwerten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Messungen der Fallout-Belastungen in Fukushima-Stadt

Messungen der Radiocäsiumbelastungen von Humuserde vor der Präfekturbibliothek in Fukushima-Stadt, Foto: CRMS

Offizielle Darstellungen in Karten der Bodenbelastungen durch den radioaktiven Fallout aus den havarierten japanischen Atomreaktoren von Fukushima im März 2011 weisen für Fukushima-Stadt mittlere Werte im Bereich um 100.000 Becquerel pro Quadratmeter Bodenfläche (Bq/ m²) für das Leitnuklid Cäsium-137 auf. Solche Kartendarstellungen beruhen meist auf Angaben von Monitoring-Messungen aus der Luft. Daß solche Angaben unzuverlässig sind und einen falschen Eindruck vermitteln, zeigen jetzt von der Citizens‘ Radioactivity Measuring Station (CRMS) durchgeführte direkte Bodenmessungen in der Stadt Fukushima, die 10- bis 20-fach höher liegen.
Den ausführlichen Artikel finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 634-635/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Selbsthilfe, Aufklärung und beobachtende Teilhabe

Aya Marumori ist Vorsitzende von CRMS. Foto: Xanthe Hall

Zum zweiten Jahrestag der Katastrophe von Fukushima hat die japanische Organisation der CRMS-Bürgermessstellen im April 2013 einen ersten ausführlichen Tätigkeitsbericht vorgelegt. Dem Netzwerk gehören insgesamt 10 Messstellen an, die CRMS-Messstelle Fukushima-shi hat die Koordinierungsfunktion und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. In der Präfektur Fukushima gibt es weitere 8 Meßstellen mit je eigenen Schwerpunkten. So beschäftigt sich die Meßstelle Koriyama regelmäßig mit den Mahlzeiten, die in Behinderteneinrichtungen angeboten werden. In Tamura wird der Aufbau eines eigenen Gemüseladens für das gemessene Gemüse vorbereitet. In Nihon-matsu sind die Vereinsmitglieder zumeist Bauern, die ihre eigenen Produkte regelmäßig messen lassen. Sukagawa mißt die Zutaten eines Restaurants, das gemessene Speisen und Veranstaltungen zu Themen der Strahlenbelastung anbietet. Die Messstelle Minami-Soma arbeitet zur Umgebungsradioaktivität. Die Meßstelle in Oguni, Stadtgemeinde Date, beschäftigt sich außer mit Messungen mit den Problemen, die durch partielle Evakuierung und Anbauverbote entstanden sind. Mehr 

Fukushima Symposium in New York

The Medical and Ecological Consequences of the Fukushima Nuclear Accident l March 11-12, 2013

Nach den Atomunfällen von Tschernobyl im Jahr 1986 und Fukushima Dai-ichi im Ein Symposium zu den gesundheitlichen und ökologischen Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima fand am 11. und 12. März 2013 in New York statt. Es wurde von der Helen Caldicott Stiftung und den „Physicians für Social Responsibility“ organisiert. Im Rahmen des Symposiums gab es auch eine Videobotschaft des ehemaligen Japanischen Premierministers Naoto Kan sowie Präsentationen von Hisako Sakiyama, einem Mitglied der unabhänigigen Untersuchungskommission des japanischen Parlaments zur Atomkatastrophe in Fukushima.

Gericht erkennt Gesundheitsgefährdung an, verweigert aber Entschädigung

Die japanische Stadt Kōriyama in der Präfektur Fukushima ist circa 60 Kilometer von den havarierten Atom-kraftwerken Fukushima Dai-ichi entfernt. Einige Monate nach der nuklearen Katastrophe haben 14 Schulkinder aus Kōriyama bzw. deren Eltern den Entschluss gefasst, eine Klage gegen die Stadt Kōriyama anzustrengen. Das Ziel der Klage ist einfach und klar: Die Kinder wollen in einer gesunden, radioaktiv „unbelasteten“ Umwelt leben, in der die Strahlenbelastung weniger als 1 Millisievert pro Jahr (mSv/a) beträgt. Darauf wies jetzt „The Fukushima Collective Evacuation Trial Team forthe Right to Education in a Safe Place“ hin.
Den ausführlichen Artikel finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 634-635/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

"Wir werden unser Leben damit verbringen, unser eigenes Grab zu schaufeln"

Frau Kowata vor ihrer provisorischen Wohnung in Aizu Wakamatsu, Foto: Thierry Ribault

Am 28. Mai 2013 trat eine Neueinteilung der Evakuierungszonen um die havarierten Atomkraftwerke von Fukushima Daiichi in Kraft. Um den wirtschaftlichen Wiederaufbau anzukurbeln, haben die Behörden beschlossen, die Evakuierungszone von 20 Kilometern um die havarierten Anlagen wieder zu öffnen. Darauf machen der in Japan lebende französische Wirtschaftswissenschaftler und Publizist Thierry Ribaut und Cécile Asanuma-Brice jetzt in einem Bericht aufmerksam. Es wirke zunächst einmal so, als habe sich mit der neuen Zoneneinteilung nicht viel geändert, schreibt Ribaut. Allerdings sei die verbotene Zone jetzt sehr viel kleiner als vorher. Auf diese und andere Weise werde ein Gefühl der Sicherheit und der wiedergewonnenen Bewegungsfreiheit verbreitet und die Gegend um das Kraftwerk Fukushima Daiichi wieder bevölkert.

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