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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.07.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

"Zweieinhalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima verdichten sich die Anzeichen für eine breit angelegte Rückkehr zur Atomkraft in Japan", schreibt das Handelsblatt. Vier Atombetreiber hätten am 8. Juli 2013 bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Sicherheitsinspektionen in zehn heruntergefahrenen Atomanlagen gestellt. Betroffen seien Reaktoren in den Regionen Hokkaido, Kansi, Shikoku und Kyushu. Bei einem Besuch in der IPPNW-Geschäftsstelle kritisierte Chieko Shiina (Mütter von Fukushima) die gewaltige Propaganda der japanischen Regierung, in Fukushima sei alles unter Kontrolle. Sie bat die Anti-Atombewegung in Deutschland um Unterstützung beim Kampf gegen Atomenergie in Japan.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Reihenuntersuchungen in Fukushima finden 12 Fälle von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenuntersuchung in der Fukushima-Klinik.

Die Präfektur Fukushima veröffentlichte im Juni einen neuen Zwischenbericht des Fukushima Health Management Survey. Kurz zusammengefasst sind die wesentlichen Erkenntnisse bislang: Von insgesamt 175.499 Kindern unter 18 Jahren, zeigten 76.230 (43,4%) auffällige Schilddrüsenbefunde, also Knoten oder Zysten. Von den 145 Kindern, bei denen Feinnadelbiopsien durchgeführt wurden, wurden in 28 Fällen krebsverdächtige Zellen gefunden. 13 Kindern wurden bislang die Schilddrüsen entfernt. Die Sitzung des Untersuchungskomitees begann zudem mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden als Nachfolger von Shun‘ichi Yamashita, weil dieser für seine Öffentlichkeitsarbeit kritisiert worden war. Einstimmig wurde Hokuto Hoshi, ein Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes der Präfektur Fukushima, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Lesen Sie den Artikel von Dr. Alex Rosen (IPPNW-Vorstand)

Bericht von Anand Grover über die Folgen von Fukushima

Anand Grover, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht jedes Menschen auf den besten erreichbaren Standard körperlicher und geistig-seelischer Gesundheit.

Der indische Rechtsanwalt Anand Grover ist Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht jedes Menschen auf den besten erreichbaren Standard körperlicher und geistig-seelischer Gesundheit. In dieser Eigenschaft besuchte er im November 2012 Japan, wo er nicht nur mit Regierungsvertretern, sondern mit Betroffenen und den sie unterstützenden Organisationen der Bürgergesellschaft sprach, um sich ein Bild über die Lage nach der Atomkatastrophe von Fukushima zu machen. Seit dem 2. Mai 2013 liegt sein Bericht für die 23. Sitzung des Menschenrechtsrates in einer unredigierten Vorabfassung vor. Zum ersten Mal wird dem Recht der einzelnen Person, sich ihrer Gesundheit möglichst unbeeinträchtigt zu erfreuen, wieder Vorrang gegeben vor dem ALARA-Abwägungsprozess (as low as reasonably achievable). Den ausführlichen Artikel finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 636-637/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Leukämien und Lymphone bei Kindern in der Ukraine

Aya Marumori ist Vorsitzende von CRMS. Foto: Xanthe Hall

Auf den Hinweis des Sonderberichterstatters des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen Anand Grover, man möge in Japan nach der Katastrophe von Fukushima auch die Leukämien im Auge behalten, entgegnet die japanische Regierung wie im vorstehenden Beitrag zitiert: „UNSCEAR 2008 hat berichtet, dass kein Anstieg der Leukämie aufgrund von Strahlung nach dem Unfall von Tschernobyl bei den Einwohnern gefunden wurde. Wir fordern, daß der [Grover-]Bericht mit den Ansichten anderer UN-Organisationen wie UNSCEAR, WHO und IAEA übereinstimmt.“ Dr. Alfred Körblein hat aufgedeckt, dass es sich bei den Behauptungen, es habe nach Tschernobyl in den hauptsächlich betroffenen Regionen keinen Anstieg von Leukämien gegeben, um einen Wissenschaftsbetrug handelt. Denn in Weißrussland, dem Land mit den höchsten Falloutbelastungen, gab es sehr wohl deutlich vermehrt Leukämieerkrankungen bei Kindern nach Tschernobyl.  

Grundwasser in Fukushima zunehmend mit Strontium, Cäsium und Tritium belastet

Fukushima-Daiichi-Atomkraftwerk, Reaktor 2, Foto: Enformable Nuclear News

Die Betreibergesellschaft Tepco der im März 2011 havarierten Atomreaktoren von Fukushima Daiichi hat jetzt zugegeben, dass dort das Grundwasser zunehmend mit radioaktiven Substanzen belastet wird. Wie der Generalmanager von Tepco Toshihiko FUKUDA am 19. Juni 2013 japanischen und internationalen Presseberichten zufolge mitteilte, stiegen die Belastungen mit Strontium-90 seit Dezember 2012 bis Mai 2013 um mehr als das Hundertfache an.

Das harte Leben in der Präfektur Fukushima

Am 17. Juni 2013 besuchte Chieko Shiina gemeinsam mit Nobuo Manabe von der Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba und Yosuke Oda (Vorsitzender von NAZEN, Anti-Atom-Bewegung Japan) die IPPNW-Geschäftsstelle.

Die Japanerin Chieko Shiina führte ein beschauliches Leben als Biobäuerin und Inhaberin einer Pension. Doch am 11. März 2011 wehte der Wind die freigesetzten radioaktiven Partikel des Atomkraftwerks Fukushima-Daichii auch in ihre Bergregion. Seitdem engagiert sich die zierliche 66-Jährige für einen Ausstieg aus der Atomenergie. Sie campierte monatelang in einem Zelt vor dem Wirtschaftministerium in Tokio, lebt aber mittlerweile wieder in der Präfektur Fukushima. Am 17. Juni 2013 besuchte sie gemeinsam mit Nobuo Manabe von der Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba und Yosuke Oda (Vorsitzender von NAZEN, Anti-Atom-Bewegung Japan) die IPPNW-Geschäftsstelle.