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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 13.08.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die japanische Regierung räumte jüngst ein, dass aus dem havarierten Atomkraftwerk täglich bis zu 300 Tonnen kontaminiertes Wasser ins Meer strömen. Der Betreiber Tepco hatte letzten Monat zugegeben, dass stark verstrahltes Wasser in den Boden einsickere und das Meer verseuche. Die Ursache dafür ist noch unklar. Gleichzeitig dringen jeden Tag rund 400 Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude ein und mischen sich dort mit kontaminiertem Kühlwasser. Die Auffangtanks für das kontaminierte Wasser reichen bald nicht mehr aus. Die Katastrophe in Fukushima ist also noch lange nicht überstanden. Das alles macht ein weiteres Mal deutlich: Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir diese Technologie beherrschen könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

P.S. Aufgrund der Protestaktionen in Büchel am 11./12. August 2013 kann der Fukushima-Newsletter erst heute erscheinen.

Belgische UNSCEAR-Delegation kritisiert Bericht zu Fukushima

Die belgischen Delegierten bei UNSCEAR, dem wissenschaftlichen Komitee der Vereinten Nationen zur Wirkung der Atomstrahlung, waren sehr ungehalten über den Bericht, der auf der letzten Sitzung dieses Gremiums Ende Mai 2013 in Wien über die Folgen der Katastrophe von Fukushima vorgelegt wurde. Der Journalist Marc Molitor zitierte im Newsletter des Belgischen Rundfunks und Fernsehens die belgische Delegation mit dem Resümee: „Alles erscheint hergerichtet und redigiert, um die Folgen der Katastrophe von Fukushima kleinzureden. Man geht sogar noch hinter die Lehren aus Tschernobyl und anderen Studien zurück.“ Delegationsleiter Van Marcke berichtete demnach der belgischen Vereinigung für Strahlenschutz (ABR) sehr kritisch über die vorläufigen Schlussfolgerungen von UNSCEAR. Nach Molitor waren die Diskussionen bei der UNSCEAR-Tagung so angespannt, dass die belgischen Teilnehmer drohten, den Abschlußbericht nicht zu unterzeichnen. UNSCEAR soll den Bericht im Herbst 2013 der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorlegen. Den ausführlichen Artikel finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 636-639/2013. Bestellen Sie ein Probeexemplar.

Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern und Jugendlichen höher

Schilddrüsenuntersuchung in der Fukushima-Klinik. Foto: Ian Thomas Ash, www.documentingian.com

Der Kinderarzt Dr. Takamatsu Isamu beziffert die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern und Jugendlichen, die in den Schilddrüsenreihenuntersuchungen im Rahmen der Gesundheitsstudie der Präfektur Fukushima gefunden wurden, auf 27 Fälle bei einer Gesamtzahl von 174.376 untersuchten Personen. Das ergibt sich aus den Bekanntmachungen auf der Tagung des Forschungsausschusses der Gesundheitsstudie vom 5. Juni 2013. Nach seiner Darstellung wurden unter den 2011 untersuchten 40.302 Kindern und Jugendlichen, die überwiegend aus der Küstenregion Hama-dori der Präfektur Fukushima stammten, 11 Krebsfälle gefunden. Unter den 2012 untersuchten 134.074 Kindern und Jugendlichen, die überwiegend aus der weiter landeinwärts gelegenen Region Naka-dori stammten, fanden sich weitere 16 Fälle. Von offizieller Seite heißt es in Japan, dass die jetztigen Fälle nicht der Katastrophe von Fukushima zuzurechnen seien, weil in es nach Tschernobyl 4 - 5 Jahre gedauert habe, bis dort ein Anstieg von Schilddrüsenkrebs nachweisbar war. Die Sowjetunion hatte damals jedoch ihren Ärzten untersagt, Beziehungen zwischen der Reaktorkatastrophe und Erkrankungen herzustellen, weshalb offizielle Statistiken darüber meist erst mit der Glasnost-Zeit beginnen.

Betriebsleiter des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi verstorben

Masao YOSHIDA, Foto: Tepco

Der Betriebsleiter des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi Masao YOSHIDA ist tot. Er starb am 9. Juli 2013 im Alter von 58 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung. Im Juni 2010 war er Betriebsleiter des Kraftwerks geworden und hatte die Maßnahmen nach der Havarie vom 11. März 2011 vor Ort geleitet. Im November 2011 war bei ihm Speiseröhrenkrebs diagnostiziert worden und im Juli 2012 erlitt er zudem einen Hirnschlag und musste notoperiert werden. Im Routine-Checkup im Herbst 2010 waren noch keine Zeichen eines Ösophaguskrebs bei Yoshida gefunden worden. TEPCO bestreitet einen Zusammenhang von Yoshidas Erkrankung mit den hohen Strahlenwerten rund um die Atomruine von Fukushima. (Aus dem aktuellen Strahlentelex Nr. 638-639, Bericht IPPNW)

Fukushima: Radioaktiv belastetes Wasser fließt ins Meer

Die Messungen der Radioaktivität in Fischen und Meeresfrüchten, Algen und Sediment, die vor der Küste Fukushimas durchgeführt wurden, sind hoch.

Seit Mitte März 2011, also seit mehr als 28 Monaten, strömen große Mengen radioaktiv kontaminiertem Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi ins Meer. Neben den Unmengen an Kühlwasser, welches täglich in die Atomruine gepumpt wird um weitere Kernschmelzen zu verhindern, musste TEPCO nun auch zugeben, dass Grundwasser durch Risse im Betonmantel in die Reaktorkerne eindringt. Mehr als 300 Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser fließen anschließend jeden Tag aus dem strahlenverseuchten AKW ins Grundwasser zurück und anschließend in den Pazifik.