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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.10.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

am 7. Oktober hat ein Tepco-Mitarbeiter fälschlicherweise eine der Pumpen abgeschaltet, die für die Kühlung der drei beschädigten Reaktoren notwendig sind. Am 4. Oktober waren Probleme mit dem Filtersystem bekannt geworden. Zuvor meldete Tepco zum wiederholten Male ein Leck in der Anlage, aus dem hoch radioaktives Wasser strömt. Die Situation an der Atomruine ist inzwischen derart unübersichtlich, dass auch die japanische Atomaufsichtsbehörde Tepco scharf kritisierte. Ihre Fähigkeit, die Lage vor Ort zu kontrollieren, habe sich deutlich verschlechtert. Die IAEO will angesichts dieser Vorfälle und Pannen ein Expertenteam nach Fukushima schicken. Am Wochenende hatte Japans Premierminister Shinzo Abe erstmals andere Staaten um Hilfe bei der Bewältigung der chaotischen Zustände im AKW Fukushima gebeten. Auch im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung besteht leider keinerlei Grund zur Entwarnung. Lesen Sie mehr in diesem Newsletter.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Ärzte: UN verharmlosen Fukushima-Unfall

Dr. Alex Rosen in der 3.sat.nano-Sendung vom 1.10.2013, Quelle: 3.sat.nano

Der Bericht des wissenschaftlichen Komitees der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR) gehe von verschiedenen falschen Annahmen aus, sagt der Mediziner Dr. Alex Rosen von der Vereinigung Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW). "Sie behaupten zum Beispiel, dass das ungeborene Kind eine ähnlich hohe Strahlenempfindlichkeit hat wie ein Kleinkind, das läuft jeder strahlenbiologischen Erkenntnis zuwider", so Rosen. "Natürlich haben Föten eine viel höhere Strahlensensibilität, ihr Gewebe, ihre Zellen teilen sich viel schneller und sind deswegen viel empfänglicher für Strahlung und für Mutation." Lesen Sie den Bericht auf der Homepage von 3.sat.nano

Expertenbrief an Ban Ki-moon zu Fukushima

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Experten aus aller Welt haben am 13.9.2013 an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon appelliert, umgehend Aktivitäten zu ergreifen, um die nukleare Katastrophe in Japan zu stoppen. Eine weitreichende internationale Kooperation sei dringend erforderlich. Zudem müssten die Bürger beteiligt und das Menschenrecht auf Gesundheit nicht nur deklamiert werden, sondern zur Anwendung kommen. Es treffe leider nicht zu, dass die Situation im Atomkraftwerk Fukushima „im Griff“ sei, schreiben die Experten. Die Probleme würden im Gegenteil von Tag zu Tag zunehmen. Niemand habe eine Idee, was man mit den hoch belasteten Flüssigkeiten auf dem Gelände gemacht werden soll. Die in Eile zusammengeschraubten Behälter würden undicht. Noch schlimmer sei die Gefahr, die von den ungesicherten Abklingbecken ausgehe. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz und Helen Caldicott, Mitbegründerin der IPPNW sowie der russische Biologe und Umweltpolitiker Alexej Yablokov.

Skandalöse Höchstwerte radioaktiver Belastung von Nahrungsmitteln in der EU

Die EU-Kommission plant eine Neufassung der Verordnung des Rates der Europäischen Union „zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungs- und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls. Grafik: IPPNW

Die Höchstwerte von Radioaktivität in Nahrungs- und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen "radiologischen Notstandssituation" sollen neu geregelt werden. Dazu hat die EU-Kommission jetzt einen neuen, auf den 6. August 2013 datierten Vorschlag vorgelegt. Neu ist, dass die Höchstwerte nicht mehr automatisch nach einem Unfall in Kraft treten, sondern „wenn die Umstände es erfordern“ von der EU-Kommission per Durchführungsverordnung in Kraft gesetzt werden sollen. Sie gelten dann unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Die Grenzwerte für Radioaktivität in Nahrungsmitteln im aktuellen Verordnungsvorschlag erlauben unverändert eine unzumutbar hohe radioaktive Belastung der EU-Bürger, die zum Teil die nach der Tschernobyl-Katastrophe übersteigt. Neu ist auch eine lange Liste mit Nahrungsmitteln von angeblich „geringer Bedeutung“. Für sie sollten in dem ersten Entwurf von 2010 zunächst gar keine Höchstwerte gelten. Jetzt allerdings wurden für sie extreme Aktivitätskonzentrationen, nämlich das 10-fache der Höchstwerte für „andere Nahrungsmittel“ festgelegt.

Nachlässige Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern in Fukushima

Hiroto Matsue, Direktor der Fukushima-Klinik, beklagt nachlässige Schilddrüsenuntersuchungen bei Ärzten im öffentlichen Dienst in der Präfektur Fukushima. Foto: Ian Thomas Ash

Fast ein Jahr ist vergangen, seit dem die "Fukushima Collaborative Clinic" mit privaten Spendengeldern gegründet wurde. Sechs Ärzte haben bisher 600 Patienten – zu 90% Kinder – untersucht, die in den radioaktiv kontaminierten Gebieten leben. Auf einer öffentlichen Versammlung im September 2013 hat der Direktor der Klinik, Hiroto Matsue, die nachlässigen Untersuchungen der Ärzte der öffentlichen medizinischen Einrichtungen der Präfektur Fukushima kritisiert. Anstatt einer gründlichen Untersuchung, die in der Regel 10 bis 15 Minuten pro Patient dauere, würden sich Ärzte im öffentlichen Dienst höchstens zwei bis drei Minuten Zeit nehmen. Auch hätten Mütter geklagt, dass ihnen von Ärzten in öffentlichen Einrichtungen die Untersuchungsbilder der Kinder vorenthalten worden seien.