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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.02.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

in einem Monat jährt sich der dritte Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima und noch immer geht die Katastrophe für die Menschen dort weiter. Am 7. Februar 2014 sind die aktuellen Daten der Schilddrüsenscreenings in Japan veröffentlicht worden. Die Zahl der Kinder, bei denen Schilddrüsenkrebs festgestellt wurde, ist auf 33 Fälle gestiegen. Bei insgesamt 75 Kindern besteht ein Verdacht auf Schilddrüsenkrebs. Der Journalist Alexander Neureuter beschreibt in seinem Buch Fukushima 360° eindrücklich die Folgen der Katastrophe für die Menschen in Japan: Manipulierte Messgeräte, Leben in Containerdörfern, verunsicherte Mütter, Farmer, die alles verloren haben, Dekontaminationsarbeiter, die eine scheinbar sinnlose Sisyphusarbeit machen. Gleichzeitig wurde in Japan im Dezember ein umstrittenes Geheimhaltungsgesetz verabschiedet, das kritische Berichterstattung über die Folgen der Katastrophe erschwert. Umso wichtiger bleibt es, Fukushima nicht zu vergessen und weiterhin kritisch zu berichten.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Japan und die IAEO setzen auf Geheimhaltung

IAEA-Besuch des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi am 27.11.2013, Foto: Tepco

Die IPPNW ist äußerst besorgt anlässlich von Berichten über eine offizielle Vereinbarung zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und den Präfekturen Fukushima und Fukui. Die Tokio Shimbun zitierte Ende letzten Jahres einen entsprechenden Paragraphen der Vereinbarung: „Wenn eine der Beteiligten bezüglich einer Information einen Geheimhaltungsstatus wünscht, so werde die andere Seite diesen Wunsch berücksichtigen“. Die Verträge seien schon im Oktober (Präfektur Fukui) 2013 und im Dezember 2012 (Präfektur Fukushima) getroffen worden. In der Präfektur Fukushima geht es dabei um die Daten der Gesundheitserhebungen durch die Medizinische Fakultät Fukushima und die Verfahren der Atommüllentsorgung in der Präfektur. In Fukui bezieht sich die Geheimhaltungsvereinbarung auf die Ausbildung qualifizierter Atomarbeiter in den Atomkraftwerken der Region.

Neue Grundlagen zum Strahlenrisiko

Kinder auf einem Spielplatz in der Präfektur Fukushima. Foto Ian Thomas Ash, documentingian.com

Am 19. Oktober 2013 fand auf Einladung der Ärzteorganisation IPPNW in Ulm ein Expertentreffen von ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen aus der Strahlenbiologie, Epidemiologie, Statistik und Physik aus Deutschland und der Schweiz statt. Die TeilnehmerInnen diskutierten den aktuellen Wissensstand zu den Gefahren ionisierender Strahlung im Niedrigdosisbereich. In dem jetzt erschienen Ergebnisspapier warnen Sie vor Gesundheitsschäden durch ionisierende Strahlung. Schon niedrige Strahlendosen erhöhen nachweislich das Erkrankungsrisiko. Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Strahlung unwirksam wäre. Die Expertenrunde fordert eine Anpassung des Strahlenschutzes an den aktuellen Stand der Wissenschaft. Ionisierende Strahlung führt zu manifesten gesundheitlichen Schäden.

Ulmer Expertenpapier zu den Gefahren ionisierender Strahlung (PDF)

Fukushima 360°: Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011

Buch: Fukshima 360°: Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011

Der Umweltjournalist Alexander Neureuter hat für sein Buch „FUKUSHIMA 360º – Das atomgespaltene Leben der Opfer vom 11. März 2011“ 40 von, der Atomkatastrophe betroffene, Menschen begleitet. Ihre Geschichten zeugen davon, wie tiefgreifend und unumkehrbar der Atomunfall ihr Leben veränderte. Neureuter zeigt die Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben nach Fukushima, schreibt über Verzweiflung und Hoffnung der Menschen, aber auch über die Skrupellosigkeit eines alteingesessenen Systems aus Politikern, Beamten, Ärzten, Medien, organisierter Kriminalität und Industriekonzernen, für die ein Menschenleben nicht sehr viel zählt. Dabei entsteht ein ebenso verstörendes wie berührendes Panorama aus einer Region, um die es in den Medien still geworden ist.

Erhältlich für 29,90 € in der IPPNW-Geschäftsstelle und in unserem Online-Shop
Bestellnummer: 092

Erhöhte Totgeburten- und Säuglingssterblichkeitsrate

Fötus in der 12. Woche

Nach dem Super-GAU von Tschernobyl 1986 wurden europaweit langfristige Anstiege der Totgeburten und der Säuglingssterblichkeit festgestellt. Anhand der Geburten- und Frühsterblichkeitsstatistik Japans von 2002-2012 untersuchten die Autoren Masao Fukumoto, Kristina Voigt, Ralf Kusmierz und Hagen Scherb nun, ob ähnliche Effekte auch in Japan nach der Atomkatastrophe zu beobachten sind. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass in elf Präfekturen, die radioaktiv belastet wurden, neun Monate nach dem Erdbeben die monatliche Gesamtfrühsterblichkeit um ca. 5 % gegenüber dem in ganz Japan zugrunde liegenden Abwärtstrend signifikant anstieg. In den vier am höchsten belasteten Präfekturen stieg diese Rate sogar um 13% an. IPPNW-Beiratsmitglied Alfred Körblein stellte in einer Analyse außerdem einen hochsignifikanten Rückgang der Anzahl an Lebendgeburten um 10% im Dezember 2011 fest. Hierbei zeigte sich auch ein Zusammenhang der Stärke dieses Effektes mit der Cäsiumbelastung.

Die ausführliche Analysen finden Sie im aktuellen Strahlentelex Nr. 650-651/2014. Bestellen Sie ein kostenloses Probeexemplar.