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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.06.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

täglich fließen rund 400 Tonnen Grundwasser vom Gelände des Atomkraftwerks Daichi-i zu den Atomreaktoren und mischen sich dort mit 300 Tonnen radioaktiv kontaminiertem Kühlwasser, die den havarierten Reaktoren von Tepco zugeführt werden. Die Betreiberfirma Tepco will deshalb einen Schutzwall aus Eis bauen, um das Gelände vom Grundwasserstrom zu trennen. Für die Sperre lässt Tepco 1.550 Rohre auf einer Länge von 1,5 Kilometern verlegen. Mehr als 450.000 Kubikmeter verstrahltes Wasser werden bereits auf dem Kraftwerksgelände gelagert. Der Bau soll bis März 2015 abgeschlossen sein. Kritiker monieren, dass die Anlage für Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte strahle. So lange müsste man die Eiswand permanent kühlen.  

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Zahl bisher entdeckter Schilddrüsenkrebsfälle ist hoch

Japanisches Mädchen mit den Bildern seiner Schilddrüsenuntersuchungen, Foto: Ian Thomas Ash

Bei 50 japanischen Kindern in der Präfektur Fukushima wurden mittlerweile Schilddrüsenkrebs-Operationen durchgeführt. Das geht aus einem Bericht des Fukushima Health Management vom 19. Mai 2014 hervor. 39 weitere Kinder haben krebsverdächtige Biopsieergebnisse und müssen noch operiert werden. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Krebsfälle weiter steigen wird, da bislang erst für 78% der betroffenen Kinder Ergebnisse publiziert wurden und bei rund 400 Kindern mit verdächtigen Ergebnissen in den ersten Reihenuntersuchungen noch keine Folgeergebnisse vorliegen. Japanische Krebsstatistiken belegen in der entsprechenden Altersgruppe normalerweise eine Inzidenz von weniger als einem Schilddrüsenkrebsfall pro Jahr. mehr

Analyse zum UNSCEAR-Bericht veröffentlicht

Der Geigerzähler misst deutlich höhere Werte als die offiziellen Messstellen. Foto: Neureuther.

19 IPPNW-Sektionen analysieren in einem am 6. Juni 2014 veröffentlichten ausführlichen Kommentar, wie der Bericht des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR) die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe systematisch verharmlost. Basierend auf den im UNSCEAR-Bericht aufgeführten kollektiven Lebenszeitdosen für die japanische Bevölkerung durch radioaktiven Niederschlag gehen die IPPNW-ÄrztInnen in den kommenden Jahrzehnten von ca. 1.000 strahlenbedingten Schilddrüsenkrebsfällen und zwischen 4.300 und 16.800 weiteren Krebsfällen aus.

Anklage gegen japanische Journalistin wegen eines Tweets wird eingestellt

Die Journalistin Mari Takenouchi.

Die Anklage gegen die Journalistin Mari Takenouchi wegen einer kritischen Äußerung zur Strahlenbelastung von Familien und Kindern in den durch die Fukushima-Katastrophe verstrahlten Gebieten, wird eingestellt. Auslöser des Prozesses war eine Beschwerde von Ryoko Ando, dem Leiter von "Ethos". Die Organisation fordert Menschen auf, weiter in den kontaminierten Gebieten zu wohnen. Takenouchi hatte dies in einem Tweet als "Menschenexperiment" bezeichnet.

Gericht in Japan verbietet Betrieb von Atomkraftwerk Oi

Block 3 und 4 des Atomkraftwerks Oi, Foto: Wikipedia

Erstmals seit der atomaren Katastrophe von Fukushima hat ein Gericht verboten, ein Atomkraftwerk wieder vollständig anzufahren. Das Bezirksgericht in der westlichen Provinz Fukui gab damit einer Klage von 189 Bürgern statt. Die Klägergruppe hatte beanstandet, dass der Betreiber Kansai Electric Power 2012 zwei von vier Reaktoren im Kernkraftwerk Oi in Fukui hochgefahren hat, obwohl die Sicherheit nicht belegt sei. In der Begründung des Gerichts heißt es: "Bei einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk kommt es zu einer massiven Kontamination der Umwelt. Es ist nicht zulässig, den fortlaufenden Betrieb von Atomkraftwerken mit ökologischen Zielen wie der Reduktion von CO2 zu begründen angesichts der Tatsache, dass der Unfall im AKW Fukushima Dai-ichi die größte Umweltkatastrophe seit Staatsgründung darstellt."