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Fukushima-Newsletter vom 11.07.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Japan bereitet sich auf einen Sommer ohne Atomstrom vor. Am 1. Juli hat in Japan die Zeit der Energiesparmaßnahmen begonnen. An Wochentagen sollen Betriebe und Bürger zwischen 9 und 20 Uhr den Energiebedarf möglichst gering halten. In diesem Jahr laufen während der Sommermonate keine Atomkraftwerke, die zuvor eine Hauptquelle der Energie für die zahlreichen Klimaanlagen des Landes waren. Die letzten Reaktoren des AKW Oi, waren im September 2013 für Standardkontrollen heruntergefahren worden und im Mai 2014 ein Neustartverbot erlassen worden. Dabei hätte Japan als sonnen- und windreicher, geothermisch aktiver Inselstaat alle Möglichkeiten, aus regenerativen Quellen ausreichend Energie herzustellen. Stattdessen wird der Bevölkerung die angeblich unvermeidliche Wahl zwischen schmutziger und teurer fossiler Brennstoffimporte oder Atomenergie vorgegaukelt. Eine verantwortungsvolle und nachhaltige Energiepolitik sieht anders aus.

Mit freundlichen Grüßen

Alex Rosen und Angelika Wilmen

Bereits das Erdbeben führte zur Katastrophe

Bereits das Erdbeben am 11. März 2011 führte zur Katastrophe, nicht erst die Flutwelle des Tsunami.

Die japanische Tageszeitung Mainichi Shimbun hatte schon am 22. Februar 2013 gemeldet, dass bereits vor der Druckentlastung vom 12. März 2011 am Reaktor 1 des Kraftwerks Fukushima Daiichi  Radioaktivität in großen Mengen freigesetzt wurde. Der Physiker Yamazaki Hisataka sieht nun „Beweise für eine Beschädigung von Reaktor 1 durch das Erdbeben“ und verweist darauf, dass der Betreiber Tepco aus der Zeit unmittelbar nach dem Unfall keine verlässlichen Messdaten lieferte. Er beruft sich dagegen auf Überwachungsgeräte, die in 10–20 Kilometern Entfernung um das Kraftwerk herum installiert waren und Daten gespeichert hatten. Sie waren vom Tsunami weggeschwemmt worden, wurden aber später wiedergefunden. Aus ihren Daten, die erst im September 2012 freigegeben worden, gehe hervor, dass am 11. und 12. März 2011 – schon vor dem Ablassen von Gas aus Reaktor 1 – die Radioaktivität auf der Nordseite der Anlage erhöht war.

Streit um Nasenbluten in Japan

Facebook-Auftritt von Katsutaka Idogawa

In Japan hat ein Manga-Comic eine öffentliche Debatte über die Gefahren radioaktiver Strahlung für die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung ausgelöst. Neben der Sorge um erhöhte Krebsrisiken und genetischer Schäden sind vor allem die Strahlenauswirkungen auf das Blutbild gefürchtet. Nach Veröffentlichung eines beliebten Comics, der das gehäufte Auftreten unerklärlicher Episoden von Nasenbluten thematisierte, meldeten sich zahlreiche Menschen aus den strahlenverseuchten Regionen zu Wort, die ebenfalls berichteten, unter heftigem Nasenbluten gelitten zu haben - unter anderem auch der frühere Bürgermeister von Futaba-machi, Idogawa Katsutaka. Die Behörden reagierten mit politischem und juristischem Druck auf den Verleger des Comics. Es ist bekannt, dass akute Strahlenexposition Veränderungen im Blutbild und somit auch eine erhöhte Blutungsneigung auslösen können. Wie hoch die tatsächlichen individuellen Strahlendosen der betroffenen Menschen waren, ist weiterhin umstritten und wird wohl nie abschließend geklärt werden. Uns sind bisher keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die das Phänomen des Nasenblutens systematisch untersucht oder Gerinnungsfaktoren und Blutplättchen bei den betroffenen Menschen gemessen haben.

Fukushima-Evakuierte geben ihre Rückkehr auf

Evakuierte vor Notunterkunft.

Evakuierte aus Ōkuma in der Präfektur Fukushima geben ihre Rückkehr auf, da die Strahlung drei Jahre nach der atomaren Katastrophe von Fukushima immer noch sehr hoch ist. Die Stadt befindet sich ungefähr acht Kilometer westlich des Fukushima Daiichi Atomkraftwerks. Da die Instandsetzung der Infrastruktur aufgrund der hohen Strahlung aussichtslos erscheine, bitten sie die Öffentlichkeit um Hilfe, neuen Wohnraum außerhalb ihres Heimatortes zu bekommen. Die Evakuierten beklagen, dass die Entschädigungszahlungen von Tepco sowie andere Finanzhilfen nicht ausreichten, um sich ein neues Leben aufzubauen. Die Behörden sollten höhere Kompensationszahlungen leisten, statt das Geld für Dekontamination auszugeben. Im Oktober letzten Jahres gaben 67 Prozent der Ōkuma-Evakuierten bei einer Befragung an, dass sie unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht zurückkehren möchten. 

    Urteil des Bezirksgerichts zum Betrieb des AKW Oi wird Präzedenzfall

    Block 3 und 4 des Atomkraftwerks Oi, Foto: Wikipedia

    Das Urteil des Bezirksgerichts der westlichen Provinz Fukui zur Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Oi soll zum Präzedenzfall werden. Erstmals seit der atomaren Katastrophe von Fukushima hatte ein Gericht verboten, ein Atomkraftwerk wieder vollständig anzufahren. Japanische Kläger gegen eine Wiederinbetriebnahme der japanischen Atomkraftwerke hoffen nun, dass dieses Urteil ihren Klagen zum Erfolg verhilft. Die Kläger von 14 der mindestens 16 landesweiten Klagen gegen Atomkraft könnten sich auf das Fukui-Urteil beziehen, sagten die jeweiligen Anwälte am 5. Juli 2014. Die Klagen wurden aufgrund der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011 eingereicht.