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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.10.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die Negativnachrichten aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi reißen nicht ab: In einer Grundwasserprobe, die Tepco am 7. Oktober 2014 entnommen hat, wurde eine Konzentration in Höhe von 95.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Dies ist ein drastischer Anstieg gegenüber der Probe vom 5. Oktober 2014, die Betastrahler in Höhe von 720 Becquerel pro Liter auswies. Ursache für den neuen Rekord sind nach Ansicht des Kraftwerksbetreibers die schweren Regenfälle der letzten Tage. Das Regenwasser gelange in das Innere der Turbinengebäude und werde dort sehr stark durch radioaktives Material kontaminiert. Man suche nach Möglichkeiten, den Einfluss der Taifunsaison und der damit verbundenen Stürme auf die Vermehrung kontaminierter Abwässer zu verringern, so Tepco. Mehr erfahren Sie in unserem Fukushima-Newsletter (siehe Meldung über den World Nuclear Industry Status Report).

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Erhöhte Sterblichkeit und Mutationen bei Schmetterlingen

The biological impacts of the Fukushima nuclear accident on the pale grass blue butterfly/Atsuki Hiyama, Chiyo Nohara, Seira Kinjo, Wataru Taira, Shinichi Gima, Akira Tanahara (CC BY-NC 2.5)

Die Annahme, das eine Ernährung mit radioaktiv kontaminierten Nahrungsmitteln biologische Auswirkungen auf Organismen haben könne, erhärten japanische Wissenschaftler der Ryukuyu-Universität mit einem Bericht über Fütterungsversuche an Larven von Schmetterlingen der Bläulingsart Zizeeria maha von der am wenigsten belasteten japanischen Insel Okinawa. Sie hatten bereits im Jahr 2012 von Deformationen an den Schmetterlingen berichtet, wie Strahlentelex in seiner Ausgabe vom 6. September 2012 gemeldet hatte. Sie fütterten die Schmetterlingslarven mit unterschiedlich kontaminierten Blättern aus Ortschaften in Tohoku (Motomiya (161 Bq/kg Radiocäsium) und Koriyama (117 Bq/kg)) in Kanto (Kashiwa (47,6 Bq/kg) und Musashino (6,4 Bq/kg)), in Tokai (Atami (2,5 Bq/kg)) und von Okinawa (0,2 Bq/kg). Zusätzlich zu den Wirkungen auf die erste Generation untersuchten sie auch die Folgegeneration.

Folgen der Katastrophe von Fukushima sind noch längst nicht eingedämmt

World Nuclear Industry Status Report 2914

Im jährlich erscheinenden „World Nuclear Industry Status Report“ von Juli 2014 kritisiert der Nuklear-Experte Mycle Schneider, dass die Folgen der Katastrophe von Fukushima noch längst nicht eingedämmt seien. Noch immer litten Bewohner und Dekontaminierungsarbeiter unter den Bedingungen vor Ort.  Die Strahlungswerte innerhalb der Reaktorgebäude der Einheiten 1 bis 3 machten weiterhin direkte menschliches Eingriffen fast unmöglich. 360 Tonnen Wasser pro Tag würden weiterhin in die zerstörten Reaktoren gepumpt, um die geschmolzenen Brennstäbe zu kühlen. Dieses Wasser, sowie eine ähnliche hohe Menge an Grundwasser, sickerten in die Keller der Reaktorgebäude. Ein Teil davon werde zu einem gewissen Grad dekontaminiert und dann erneut in den Kreislauf gebracht. Die Menge des radioaktiven Wassers, das nicht wiederverwendet werden könne, nehme stetig zu. Zum Stichtag des 15. Juli 2014 wurden mehr als 500.000 Tonnen in prekären Speicher gelagert, dazu kommen etwa 90.000 Tonnen in den Kellern des Kraftwerks. Die Kapazität der Tanks wird bis Ende März 2015 auf 800.000 Tonnen erhöht. Zusätzlich wurde über zahlreiche Lecks berichtet, einschließlich eines hochradioaktiven 300-Tonnen-Lecks aus einem "Water13" Tank im August 2013, dem der Schweregrad 3 auf der „International Nuclear Event Scale“ (INES) zugeteilt wurde.

    16.000 Menschen protestierten gegen Wiederinbetriebnahme

    Am 23. September trafen sich rund 16.000 AKW-Gegner im Kameido-Chuo-Park in Tokio, um gegen die sich anbahnende Wiederinbetriebnahme des AKW Sendai zu protestieren. Foto: Netzfrauen.org

    Am 23. September 2014 haben rund 16.000 AKW-Gegner im Kameido-Chuo-Park in Tokio gegen die sich anbahnende Wiederinbetriebnahme des AKW Sendai protestiert. Noch sind alle 48 japanischen Reaktoren außer Betrieb. Die Nukleare Regulierungsbehörde (NRA) testet derzeit 20 Reaktoren in insgesamt zehn Atomkraftwerken auf ihre Sicherheit. Die Stresstests werden bereits seit Monaten durchgeführt. Das AKW Sendai soll 2015 wieder ans Netz gehen. Die NRA hatte am 10. September 2014 grünes Licht für das AKW Sendai bei Kagoshima gegeben. Der geplante Neustart von Reaktoren am AKW Sendai (Präfektur Kagoshima) wird sich aber verzögern und ist nicht vor Januar 2015 zu erwarten. Ursache hierfür ist die verspätete Einreichung von bislang ausstehenden Dokumenten durch den Betreiber Kyushu Electric, bei der Atomaufsichtsbehörde NRA.

      Gefahren ionisierender Strahlung

      Fachgespräch "Gefahren ionisierender Strahlung" am 8. Oktober 2014 in Berlin, Foto: Wilmen, IPPNW

      Bis vor wenigen Jahren beruhte die Erforschung der gesundheitlichen Wirkung von Radioaktivität ganz wesentlich auf den limitierten Daten der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki. Seit langem ist klar, dass dies zu einer Unterschätzung des Strahlenrisikos geführt hat. In den letzten fünfzehn Jahren erschienen zahlreiche groß angelegte epidemiologische Studien, die Bevölkerungen untersuchten, welche über eine lange Zeit niedrigen Strahlendosen ausgesetzt waren. Diese ermöglichten eine realistischere Risikoabschätzung. Die IPPNW veranstaltete am 8. Oktober 2014 ein Fachgespräch für WissenschaftsjournalistInnen, FachpolitikerInnen und ExpertInnen und stellte die neuesten Studienergebnisse und Schlussfolgerungen vor.