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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.12.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die Analyse von Fischen im Meer um das Atomkraftwerk Fukushima zeige, dass der Erholungsprozess stockt, schreibt der Tagesanzeiger am 9. Dezember 2014. Von Anfang April 2011, als die radioaktive Verseuchung der Küste den Höchststand erreichte, bis Juli 2011 war die Kontaminierung des Meeres um das Tausendfache zurückgegangen. Der Wissenschaftler Michio Aoyama macht darauf aufmerksam, dass sie seither ziemlich stabil bleibt und nicht weiter sinkt. Er erklärt sich das mit den bestehenden Lecks. Lesen Sie den vollständigen Artikel im Tagesanzeiger. Unterdessen werden neue Vorwürfe über das Leiharbeiter-Chaos im Atomkraftwerk Fukushima bekannt. Betreiber Tepco veröffentlichte die Ergebnisse einer eigenen Umfrage unter 6.600 Arbeitern. Danach erhalten 30 Prozent von ihnen ihr Geld von einer anderen Firma als von der, mit der sie den Vertrag geschlossen haben. Mehr erfahren Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Wilmen

Unzureichend, unwissenschaftlich, unerheblich

Keith Baverstock, Strahlenschutzexperte und ehemaliger Leiter der Abteilung Strahlung und Gesundheit bei der WHO am European Centre für Umwelt und Gesundheit in Rom.

Der Strahlenschutzexperte und langjährige WHO-Funktionär Keith Baverstock übt, wie schon die IPPNW, scharfe Kritik am Bericht des UNSCEAR zur Reaktorkatastrophe von Fukushima und fragt, ob man dieses Komitee noch braucht. Der UNSCEAR-Bericht kommt zu dem Schluss, dass es keinen erkennbaren Anstieg des Risikos bei den strahlenexponierten Teilen der Bevölkerung geben werde. Die Abschätzung der Bevölkerungsdosen hält Baverstock für nicht verlässlich, "ja sogar für Fiktion". Aus den ersten Tagen und Wochen nach dem 11. März 2011 seien keine belastbaren Daten bekannt. Was japanische Regierung und IAEA damals bekannt gegeben hätten, habe sich im Nachhinein stets als unzutreffend erwiesen. Bestellen Sie ein Probeexemplar der aktuellen Ausgabe des Strahlentelex Nr. 670/671 und lesen Sie den vollständigen Text.

Das Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 ist geleert

Tepco-Arbeiter bei der Bergung der Brennelemente in Reaktor 4. Foto: Tepco

Die Betreiberfirma des zerstörten Atomkomplexes von Fukushima Daiichi, Tepco, hat am 5. November 2014 bekanntgegeben, dass nun endlich alle 1.331 abgebrannten Brennelemente aus dem Abklingbecken des Reaktors 4 geborgen werden konnten, inklusive 11 hochradioaktiver Brennelemente, die teilweise durch die Zerstörung der Reaktorhülle nach der Explosion am 15. März 2011 in "V"-Form verbogen worden waren und nicht in den Standard-Behältern transportiert und gelagert werden können. Überfordert ist Tepco jedoch offensichtlich mit der Eindämmung der weiterhin nachlaufenden Wassermassen, die in den Kellern der Reaktorruine 1 bis 3 mit dem geschmolzenen Kernbrennstoffresten in Kontakt kommen. (aus Strahlentelex Nr. 670-671/2014)

    Symposium zum Strahlenschutz nach Fukushima

    Citizen-Scientist International Symposium im Jahr 2013, Foto: http://www.csrp.jp

    Vom 22. bis 24. November 2014 fand in Tokio das 4. Internationales Symposium zu den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen des Strahlenschutzes für die Bevölkerung in den nach dem Unfall von Fukushima Dai’ichi belasteten Regionen statt. Die atomkritische Fachtagung wurde von unabhängigen WissenschaftlerInnen ins Leben gerufenen. Dr. Alex Rosen, stellvertretender IPPNW-Vorsitzender referierte über die IPPNW-Kritik am UNSCEAR-Bericht zu Fukushima. Dr. Sebastian Pflugbeil hielt einen Vortrag über die Folgen der atomaren Katastrophe von Tschernobyl auf Geburtsstatistiken in ausgewählten Ländern. Auf der Internetseite zum Symposium findet man die Powerpoint-Präsentationen und Kurzzusammenfassungen der Vorträge sowie Informationen zu den Rednern.

      Uneins über Umgang mit Abgabe von Jodtabletten

      Mit der rechtzeitigen Einnahme von Jodtabletten kann das Risiko der Bevölkerung an Schilddrüsenkrebs zu erkranken verringert werden. Das Foto zeigt eine Schilddrüsenuntersuchung bei einem japanischen Mädchen.

      Bei einer in der Präfektur Niigata in Vorbereitung einer Atomkatastrophe durchgeführten Evakuierungsübung blieben Regierungsoffizielle uneins über die Frage, wann, in einem solchen Szenario, Jodtabletten an die Bevölkerung ausgehändigt werden sollen. Die Übung simulierte ein Erdbeben der Stärke 6, das das Kashiwazaki-Kariwa Atomkraftwerk erschüttert und die Stromversorgung zur Kühlung des Kernreaktors unterbricht. Während der Ministerpräsident von Niigata, Hirohiko Izumida, betonte, dass Jodtabletten unverzüglich, d.h. vor Auftreten der Strahlenbelastung an die Bevölkerung auszuhändigen seien, vertraten Regierungsoffizielle die Ansicht, dass Jodtabletten erst nach dem Austritt radioaktiver Strahlung und lediglich in Regionen, in denen eine hohe Strahlenbelastung festzustellen sei, auszuhändigen sind. Izumida resümierte nach der Übung, dass er unter den geltenden Richtlinien nicht in der Lage sei, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.