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Newsletter der IPPNW | Fukushima-Newsletter vom 11.04.2015

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IPPNW

Fukushima-Newsletter vom 11.04.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

während sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum vierten Mal jährt, werden die gesundheitlichen, ökologischen und humanitären Folgen von den japanischen Behörden so gut es geht verdrängt. Selbst auf einer internationalen Katastrophenschutzkonferenz im nahe gelegenen Sendai waren die Kernschmelzen von Fukushima der japanischen Regierung keiner Erwähnung wert. Derweil zeigen sich in Fukushima Probleme bei der Erfassung des Gesundheitszustands der Aufräumarbeiter, von denen viele offenbar unbekannt verzogen sind. Viele der 2011 Evakuierten leben noch immer größtenteils in Behelfsunterkünften. Unterdessen versucht die japanische Atomindustrie, Geschäfte mit dem AKW-Rückbau zu machen. Vier Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe versuchen wir weiterhin, Sie über die aktuellen Geschehnisse in Japan auf dem Laufenden zu halten und freuen uns immer über ihre Rückmeldungen, Fragen und Vorschläge.

Mit freundlichen Grüßen

Henrik Paulitz und Alex Rosen 

Folgen von Fukushima auf Katastrophenschutzkonferenz ignoriert

Touristenregion in Fukushima-City mit einer Dosis von 0,84 Microsievert pro Stunde, April 2013  Foto: JANIC, 10 Lessons from Fukushima

4 Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima fand in der japanischen Stadt Sendai im März 2015 ein internationaler UN-Kongress zum Katastrophenschutz statt. Die "3. World Conference on Disaster Risk Reduction" hätte eine gute Gelegenheit sein können, gemeinsam mit ExpertInnen und PolitikerInnen aus aller Welt die Atomkatastrophe von Fukushima zu analysieren und aus den unzureichenden Sicherheitsbestimmungen, den fehlenden Notfallplänen, der katastrophalen Öffentlichkeitsarbeit und den chaotischen Evakuierungen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Stattdessen wurden die Kernschmelzen von Fukushima aus dem Konferenzprogramm ausgeklammert, die immer noch andauernde humanitäre, medizinische und ökologische Katastrophe von den Organisatoren tot geschwiegen. Weder der Eröffnungsrede des Ministerpräsidenten Shinzo Abe noch den Plenarveranstaltungen oder Arbeitsgruppen konnte man entnehmen, dass weniger als 100 km vom Tagungsort entfernt eine der beiden größten Atomkatastrophen der Menschheitsgeschichte stattgefunden hatte, die unter anderem mit der größten je gemessenen radioaktiven Kontamination der Weltmeere einherging, mehr als 200.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieb und große Flächen auf unabsehbare Zeit unbewohnbar machte. Lediglich die von der Schweizer IPPNW organisierten Side-Events machten in Sendai darauf aufmerksam, welches Leid die Atomkatastrophe von Fukushima verursacht hat und immer noch tut und wie wichtig es für die Delegierten der Konferenz wäre, sich mit den Folgen und den Lehren dieses Ereignisses zu befassen.

Probleme bei Gesundheits-Checks der Fukushima Arbeiter

IAEA-Delegation im Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi, Foto: Tepco

Die weitaus höchsten Strahlendosen dürften nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Arbeiter auf dem Kraftwerksgeländer erhalten haben. Die überwiegende Mehrheit von ihnen sind allerdings nicht Angestellte von TEPCO, sondern Hilfsarbeiter, die unter weitaus schlechteren Arbeitsbedingungen von Subunternehmen angeheuert wurden. Viele der Arbeiter wurden nie vernünftig registriert, ihre Strahlendosen nicht adäquat dokumentiert und ihre gesundheitliche Entwicklung nicht verfolgt. Oft sind sie ungelernte Tagelöhner, die kurzfristig für einzelne Arbeiten eingesetzt werden und deren Spur sich anschließend verliert. Auch die japanische Mafia, die Yakuza, verdient japanischen Medienberichten zu Folge an den lukrativen Aufträgen der TEPCO-Subunternehmen in den Aufräumarbeiten in Fukushima, der Aufbereitung des kontaminierten Kühlwassers oder den gigantischen Bau- und Konstruktionsvorhaben rund um die Katastrophenstelle. mehr

Geschäfte mit AKW-Rückbau

von KEI at ja.wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:TOKAI-1_and_2_NPP.jpg#/media/File:TOKAI-1_and_2_NPP.jpg

Ähnlich wie in Deutschland sieht auch in Japan die Atomwirtschaft durch das Abschalten von Atomkraftwerken ihr lukratives Geschäftsmodell gefährdet. Anders als in Deutschland jedoch, wo der Atomausstieg in einem breiten gesellschaftlichen Konsens beschlossen wurde, genießt die japanische Atomwirtschaft trotz zahlreicher Korruptionsskandale, einer langen Reihe relevanter Unfälle bis hin zur Atomkatastrophe von Fukushima und einer mittlerweile größtenteils atomkritischen Öffentlichkeit weiterhin massive Unterstützung von Seiten der Politik. Obwohl einige Atomkraftwerke permanent abgeschaltet werden sollen (u.a. die Reaktoren in Fukushima, zwei Reaktoren des AKW Mihama, ein Reaktor des AKW Genkai, ein Reaktor des AKW Shimane und ein Reaktor des AKW Tsuruga), plant die Regierung offenbar, den Großteil der Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen. mehr

Mehr als 220.000 Evakuierte noch immer in temporären Unterkünften

Temporäre Unterkunft in Fukushima-City, Februar 2014, Foto: Kristian Laemmle-Ruff

Viele der Menschen, die auf Grund der dreifachen Katastrophe vom März 2011 ihre Heimat verlassen mussten, haben nach wie vor mit den Folgen der Evakuierung zu kämpfen. Vor allem auf Grund der radioaktiven Kontamination ihrer Heimat können sie nicht zurückkehren. Vier Jahre nach den Kernschmelzen in Fukushima Dai-ichi leben immer noch mehr als 220.000 Menschen in Behelfsunterkünften. Nach Angaben der japanischen Agentur für Wiederaufbau ist die Zahl seit vergangenem März um lediglich 35.000 gesunken. Viele seien aber noch immer im ganzen Land in Notunterkünften oder bei Verwandten untergebracht. Es wurden mehr als 53.000 Wohneinheiten für die Vertriebenen errichtet. 99% der oft trostlosen Räume, in denen die Flüchtlinge zusammengepfercht leben, werden noch immer benötigt. Die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen dieser langen Verweildauer in unwürdigen Lebensbedingungen sind nicht absehbar und wären durch eine intensivere finanzielle und logistische Unterstützung der betroffenen Menschen durch die Verursacher der Katastrophe und durch die zuständigen Behörden linderbar. Es ist mutzumaßen, dass den Menschen jedoch weiterhin die Option offen gehalten werden soll, irgendwann in ihre radioaktiv kontaminierte Heimat zurück zu kehren. Im Interesse der Menschen ist diese Hinhaltetechnik der atomfreundlichen Regierung in Japan jedoch nicht. Die Menschen benötigen ehrliche Antworten auf ihre drängenden Fragen, konkrete Unterstützung und die Freiheit, ihr Leben jenseits der Atomkatastrophe fortzuführen. (Quelle: NHK World: 229,000 Still in Temporary Housing; Mar. 10, 2015)

Wohin mit kontaminierter Erde?

Im Zuge der Dekontaminationsbemühungen wurden Unmengen von oberflächlicher Erde abgetragen und in gigantischen Deponien gesammelt. Foto: A. Claußen

Der radioaktive Niederschlag von Fukushima hat große Flächen des Landes kontaminiert. Im Zuge der Dekontaminationsbemühungen wurden Unmengen von oberflächlicher Erde abgetragen und in gigantischen Deponien gesammelt. Die Frage, was mit diesen radioaktiven Abfällen geschehen soll, beschäftigt Politik und Atomwirtschaft seit nunmehr fast vier Jahren. Eine adäquate Antwort ist bislang noch nicht gefunden. Währenddessen stellt dieser Strahlenmüll, der am Wegrand, in Vorgärten oder sogar neben Schulen und Spielplätzen gelagert wird, ein relevantes Sicherheitsrisiko und ein großes Problem für die Zukunft der Region dar. Am 13. März 2015 wurden nun erstmalig 12 Kubikmeter verseuchtes Erdreich in ein geplantes Zwischenlager nahe der evakuierten Städte Okuma und Futaba gefahren, wo er 30 Jahre lang abklingen soll. mehr