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Fukushima-Newsletter vom 11.05.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,


die Zukunft der Atomenergie in Japan ist weiter unklar wie zwei aktuelle Gerichtsurteile der letzten Wochen deutlich machen, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen: Das Atomkraftwerk Sendai darf vermutlich wieder ans Netz gehen, während das zuständige Bezirksgericht der Präfektur Fukui die Wiederinbetriebnahme von zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Takahama untersagte. In der Sperrzone von Tschernobyl kommt es immer wieder zu Waldbränden, so wieder im April 2015. Dadurch wird immer wieder das langlebige Cäsium-137 in die Atmosphäre verbracht und mit den Winden sogar in benachbarte Länder getragen. Noch immer bestreitet der UN-Ausschuss UNSCEAR, dass infolge von Tschernobyl die Leukämierate bei Kindern deutlich angestiegen ist. Diverse Studien weisen aber für Weißrussland wie auch in anderen Ländern Europas zusätzliche Leukämiefälle nach. Auch in Japan sollte dem dringend nachgegangen werden. Nicht zuletzt machen wir anlässlich von aktuellen Medienberichten den Versuch einer Einordnung der Messung von Radioaktivität aus Fukushima an der nordamerikanischen Pazifikküste.


Mit freundlichen Grüßen


Henrik Paulitz und Alex Rosen

Gerichtsurteile zum Wiederanfahren von Atomkraftwerken in Japan

„Takahama NPP 1975“ von retouch: Qurren (talk). - Japan Ministry of Land, Infrastructure and Transport. Über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Takahama_NPP_1975.jpg#/media/File:Takahama_NPP_1975.jpg

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima wurden in Japan nach und nach alle 54 Atomkraftwerke vom Netz genommen. Obwohl diese vor Fukushima rund ein Drittel des japanischen Strombedarfs lieferten, gingen trotz des vollständigen AKW-Stillstandes keine Lichter aus. Das ist bemerkenswert, denn immerhin zählt Japan zu den sieben führenden Industrienationen mit einem der weltweit höchsten Lebensstandards. Das demonstriert eindrucksvoll, wie überflüssig die Atomenergie ist. Dennoch gibt es schon lange Bestrebungen, einzelne Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen zu lassen. Die japanische Atomregulierungsbehörde genehmigte das Wiederanfahren von zwei Druckwasserreaktoren am Standort Takahama, nördlich der Stadt Kyoto, und von zwei weiteren Druckwasserreaktoren am Standort Sendai, ganz im Süden des Inselstaates. In beiden Fällen hatten Anwohner gegen die Wiederinbetriebnahme geklagt. Im Fall Sendai wurden die Klagen der Anwohner abgewiesen. Das Gericht sah keine „Irrationalitäten“ in den neuen japanischen Sicherheitsbestimmungen, die nach Fukushima festgelegt wurden. Im Fall von Takahama monierte das dortige Bezirksgericht hingegen, die neuen Sicherheitsstandards seien „unlogisch“. Zudem könnten die Atomreaktoren bereits durch ein Erdbeben von geringerer Stärke beschädigt werden als in den Sicherheitsstandards dargelegt. Es wird damit gerechnet, dass der Rechtsstreit nun zu jahrelangen Verzögerungen führen wird. Die Lichter werden deswegen auch künftig nicht ausgehen.

Waldbrände als Risikofaktor für radioaktiv kontaminierte Regionen

Patrik Hermansson, Chernobyl, Ukraine (Sept. 2010), http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de

Ein unterschätzter Risikofaktor in radioaktiv kontaminierten Regionen sind Wälder. Während Wohngebiete sowie industriell und landwirtschaftlich genutzte Flächen prinzipiell dekontaminiert werden können, sammeln sich radioaktive Partikel in unwegbaren Geländen wir Wäldern oder Bergen und stellen im Rahmen von Stürmen, Pollenflug oder Waldbränden ein Risiko für eine Rekontamination der umliegenden Region dar. Anschaulich kann man das in Tschernobyl beobachten, wo immer wieder auftretenden Waldbrände in der Sperrzone rund um den havarierten Reaktor bis heute einen relevanten Faktor für die weitere Verbreitung von radioaktivem Niederschlag darstellen. mehr

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Leukämien bei Kindern nach Tschernobyl und Fukushima

Mädchen während der Chemotherapie in der zentralen Kinderonkologie Barawlyani bei Minsk, Foto: Hermine Oberück

In der öffentlichen Wahrnehmung war der Fokus nach Tschernobyl auf die ansteigenden Schilddrüsenkrebs-Fälle gerichtet. Das war ganz im Sinne der Atomlobby, die die Entstehung von Leukämien und anderen Krebsarten nicht zum Thema machen wollte. Der Anstieg von Leukämien bei Kindern wurde sogar geleugnet. Dabei weisen zahlreiche wissenschaftliche Studien auf die Zusammenhänge zwischen ionisierender Strahlung und der Entstehung von Leukämie – auch im Bereich der sogenannten Niedrigstrahlung. Tatsächlich war nach Tschernobyl auch ein messbarer Anstieg der Leukämien zu verzeichnen, wie eine Auswertung von Daten der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften zeigt. Die Ergebnisse dieser Auswertung können eine erhebliche Bedeutung für Japan haben, wo durch den radioaktiven Niederschlag durch die Fukushima-Katastrophe ebenfalls mit erhöhten Leukämieraten zu rechnen ist.

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Letzte Meldung

Radioaktive Verseuchung des Pazifiks durch die atomare Katastrophe von Fukushima.

Die Atomkatastrophe von Fukushima stellt die größte radioaktive Verseuchung der Weltmeere durch ein einzelnes Ereignis in der Geschichte der Menschheit dar. Vor allem für die Küstenregion Ost-Japans und die dortige, einst blühende Fischerei bedeutet diese Verseuchung eine absolute Katastrophe. Vor kurzem gab es zudem erste Berichte über den Nachweis von Fukushima-Radioaktivität an der nordamerikanischen Pazifikküste. Auch wenn diese Werte sehr niedrig sind und für den Einzelnen nur ein absolut minimales Risiko darstellen, zeigen sie doch das Ausmaß der radioaktiven Kontamination, welches mittlerweile schon weite Teile des Nordpazifiks erreicht hat.

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