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07.10.2014

Milanrakete birgt gefährliche Langzeitfolgen


Waffenlieferungen für die kurdischen Peschmerga

Verteidigungsministerin von der Leyen muss den Export der radioaktiven Panzerabwehrrakete Milan zurücknehmen und die Waffe vollkommen aus dem Verkehr ziehen. Das fordern die ärztliche Friedensorganisation IPPNW und die deutsche Koalition zur Ächtung von Uranwaffen – ICBUW Deutschland. 30 Panzerabwehrwaffen vom Typ Milan mit insgesamt 500 Raketen zum Einsatz gegen den IS werden an die kurdische Regionalregierung geliefert. Die kurdischen Peschmerga üben zurzeit in Hammelburg die Handhabung der Waffe.

Doch die Milanrakete hat gefährliche Langzeitfolgen für die Gesundheit der Bevölkerung. Jede Milanrakete enthält in ihrem Infrarotstrahler des Lenkflugkörpers radioaktives Material: 2,4 Gramm Thorium 232 mit einer extrem langen Halbwertszeit von 14 Milliarden Jahren. Bei 500 Raketen summiert sich das Thorium also auf 1,2 Kilogramm. Beim Einschlag der Rakete wird der Infrarotstrahler zerstört und das Thorium tritt aus. Thorium ist besonders durch die in seiner Zerfallsreihe gebildeten Radionuklide gefährlich. Thorium ist ein Alphastrahler und ein Gammastrahler. Es wurde früher als Röntgenkontrastmittel Thorotrast angewandt, aber wegen seiner Radiotoxizität verboten. Ähnlich wie bei Munition aus abgereichertem Uran entsteht nach dem Aufprall der Rakete ein feiner, radioaktiv und toxisch wirkender Staub, der über Nahrung, Atmung und Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangt. Die Folgen sind schwere Gesundheitsschäden wie z.B. Lungenkrebs oder Schädigung des Erbguts.

Schon der damalige Verteidigungsminister Scharping wurde mit der radiotoxischen Gefährlichkeit konfrontiert, aber die Bundeswehr ist bis heute nicht bereit auf den Einsatz zu verzichten. Zuletzt setzten Bundeswehreinheiten MILAN-Raketen 2010 in einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern in Afghanistan ein.

Eine Studie zum Umwelteinfluss der Militärbasis Shilo in Manitoba (Kanada), auf der mit Milan-Systemen geübt wurde, konnte einen erhöhten Gehalt von Thorium 232 im Grundwassers nachweisen und empfahl, auf dem Gelände keine Milanraketen mehr zu verschießen. Auch auf dem Truppenübungsplatz Salto di Quirra in Sardinien wurde das Thorium aufgrund der jahrelangen Übungseinsätzen an der Milanrakete in den Knochen eines verstorbenen Hirten nachgewiesen.

IPPNW und ICBUW fordern Bundesverteidigungsministerin von der Leyen auf, den geplanten Export der Milanraketen rückgängig zu machen. Die Zivilbevölkerung im Irak und in Syrien ist bereits heute durch die Folgen der Kriege sehr schwer geschädigt. Darüber hinaus setzen sich IPPNW und ICBUW seit Jahren dafür ein, Uranmunition zu verbieten, die radiotoxisch und chemotoxisch wirkt und zu schweren Fehlbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen wie Lungenkrebs und Leukämien führen kann.

Weitere Informationen zur deutschen Koalition zur Ächtung von Uranwaffen – ICBUW Deutschland www.uranmunition.org

Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: wilmen@ippnw.de
Prof. Dr. Manfred Mohr, ICBUW, Mobil 0172-8146374, Email: mohrm@gmx.net

 

Die IPPNW ist eine berufsbezogene, friedenspolitische Organisation, die 1981 von einer Gruppe von Ärzten aus den USA und Russland gegründet wurde. Ihre Überzeugung: Als Arzt hat man eine besondere Verpfl ichtung zu sozialer Verantwortung. Daraus entstand eine weltweite Bewegung, die 1984 den UNESCO-Friedenspreis und 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. Heute setzen sich Mediziner und Medizinerinnen der IPPNW in über 60 Ländern auf allen fünf Kontinenten für eine friedliche, atomtechnologiefreie und menschenwürdige Welt ein.

IPPNW - Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung
Deutsche Sektion
Körtestr. 10 | 10967 Berlin
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Fax: 030 / 693 81 66
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