Atomenergie-Newsletter vom 12. Februar 2026
Liebe Freundinnen und Freunde,
im März jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum 15. Mal und im April der Super-GAU von Tschernobyl zum 40. Mal. Anlässlich dieser Jahrestage lädt die IPPNW zu einer Tagung ein und ruft zur Unterzeichnung der diesjährigen Fukushima-Anzeige auf!
Derweil gibt es erfreuliche Nachrichten aus Münster, wo sich der Stadtrat für eine tatsächliche Vollendung des deutschen Atomausstiegs ausgesprochen hat und sein Stadtgebiet nicht weiter von nuklearem Gefahrengut durchkreuzen lassen will. Zwar entfaltet diese von einer breiten Ratsmehrheit getragene Entscheidung keine unmittelbar rechtlich bindende Wirkung, sie stellt aber ein politisches Signal an die Bundes- und Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sowie an die Landesregierung im benachbarten Niedersachsen dar. Im Umweltministerium in Hannover steht weiterhin eine endgültige Entscheidung über den Antrag auf Produktionserweiterung der Brennelementefabrik in Lingen in Zusammenarbeit mit Rosatom aus.
Angeregte Lektüre wünscht
Patrick Schukalla
IPPNW-Referent für Atomausstieg, Energiewende und Klima
Welche Lehren hat die Menschheit aus den bisherigen Atomunfällen gezogen? Und sind diese Lehren noch präsent – als Mahnung, sich für eine Welt ohne atomare Gefahren einzusetzen? Es liegt an uns allen, auf die gesundheitlichen Gefahren für Gesellschaft und Umwelt hinzuweisen, die mit dem Betrieb von Atomanlagen verbunden sind.
Für eine echte Energiewende und die Vollendung des Atomausstiegs bleibt noch viel zu tun! Daher bitten wir Sie, auch in diesem Jahr wieder die Anzeige zu unterschreiben und mit Ihrem Beitrag die Veröffentlichung zu ermöglichen. Einsendeschluss ist Sonntag, der 1. März 2026.
Ein Reisebericht von Dr. Alexander Rosen: Auf der Suche nach Fakten und Erkenntnissen zu den Folgen der Atomkatastrophe bereiste ich im September 2025 für einige Tage die Präfektur Fukushima. Ich sah geisterhafte Ortschaften und fuhr in die Präfekturhauptstadt im Westen, wo ich die Medizinische Hochschule besuchte. Im Stadtzentrum von Futaba, das knapp vier Kilometer nördlich der AKW-Ruine liegt, herrschte reger Betrieb. Erst nach einiger Zeit fiel mir auf, was fehlte: Die Bevölkerung schien ausschließlich aus jungen Männern zu bestehen. Es gibt keine Frauen, keine Kinder, keine alten Menschen.
Jetzt noch anmelden! Am Samstag, dem 7. März 2026, laden wir zu einer Tagung nach Stuttgart ein. Wir widmen uns den bis heute anhaltenden Folgen der beiden größten Atomunfälle der Geschichte und werfen einen kritischen Blick auf ausgewählte Gegenwarts- und Zukunftsthemen der Atomenergie. Das Programm umfasst Vorträge von Expert*innen, Berichte aus den betroffenen Regionen, fundierte Informationen zu gesundheitlichen Folgen und Analysen aktueller Atomrisiken. Wir freuen uns, Sie und Euch in Stuttgart zu sehen. Eine vorherige Anmeldung hilft uns bei der Planung!
Obwohl Grönland derzeit in aller Munde ist, erfährt man nur wenig über die Insel selbst, ihre Bewohner*innen oder die arktische Ökologie. Stattdessen liegt der Fokus auf den geopolitischen Bestrebungen anderer. Niels Henrik Hooge arbeitet bei NOAH, der dänischen Sektion von Friends of the Earth und steht in enger Verbindung mit der grönländischen Kampagne gegen Uranbergbau, URANI? NAAMIK. Wir haben mit ihm über den aktuellen geopolitischen Druck gesprochen und ihn gebeten, die Rolle der Uranvorkommen und anderer Bodenschätze sowie die damit verbundenen Gefahren einzuordnen.
In einem Ratsbeschluss spricht sich die Stadt Münster gegen neue Castor-Transporte von Jülich und Garching nach Ahaus sowie gegen weitere Urantransporte von und zur Urananreicherungsanlage in Gronau aus. Diese passieren regelmäßig das Münsteraner Stadtgebiet. In der mit breiter Mehrheit verabschiedeten Resolution wird zudem die Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau, der Brennelementefabrik Lingen und des Forschungsreaktors Garching bei München gefordert, um die Produktion von neuem Atommüll zu verhindern. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, diese politische Positionierung den zuständigen Behörden und Unternehmen mitzuteilen.