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Newsletter der IPPNW | Fukushima-Newsletter vom 11.12.2015

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Fukushima-Newsletter vom 11.12.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts der andauernden Atomkatastrophe in Fukushima mit den mittlerweile zur Routine verkommenen Meldungen neuer radioaktiver Lecks, Verseuchung von Grundwasser und den im Dreimonatstakt veröffentlichten Zahlen kindlicher Schilddrüsenkrebsfälle ist es nicht nachvollziehbar, dass die Atomindustrie mit tatkräftiger Unterstützung der Politik und Medien in Japan derzeit wieder Atomreaktoren hochfährt. Dies ist umso unverständlicher, wenn man die Alternativen betrachtet, die Japan in Form erneuerbarer Energiequellen zur Verfügung stehen. Wenigen ist bewusst, dass der Industriestaat Japan seine Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umstellen könnte – wenn der politische Wille da wäre. In einem Hintergrundartikel beleuchten wir daher diesen Monat die Potenziale für eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien in Japan.

Zudem analysieren wir die neuen Daten der Schilddrüsenstudien und versuchen, etwas Licht in die verwirrenden Zahlen zu werfen, die die Fukushima Medical University Ende November präsentiert hat. Auch kommen wir aus gegebenem Anlass erneut auf ein Thema zurück, von dem wir bereits im Februar diesen Jahres berichtet haben. Damals analysierten wir die Freisetzungsmengen und Bodenkontaminationen von Strontium-90 in Fukushima. Inzwischen liegen Informationen darüber vor, dass überraschend hohe Konzentrationen von Stronium-90 in den Zähnen und Knochen von Rindern gemessen wurden – ein Hinweis, dass neben der Kontamination mit radioaktivem Cäsium das stark knochengängige Strontium-90 eine weitere ernstzunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit in den verstrahlten Gebieten darstellt.

Insbesondere vor diesem Hintergrund stellt sich für die japanische Gesellschaft die heikle Frage, wie mit den großen Mengen an radioaktiv kontaminierten Abfällen umzugehen ist, die sich seit Beginn der Atomkatastrophen anhäufen. Die Regierung stellt die Sicherheit der derzeitigen Zwischenlager in Frage, während Anwohner von geplanten Entsorgungsstandorten Widerstand leisten. 

In unserem letzten Fukushima-Newsletter in diesem Jahr haben wir all diese brisanten Themen für Sie aufgearbeitet und hoffen, Sie auch im kommenden Jahr als Leser dieses Newsletters mit relevanten Informationen, Analysen und Hintergrundberichten versorgen zu können. An dieser Stelle laden wir Sie herzlich zu unserem internationalen Kongress "30 Jahre leben mit Tschernobyl – 5 Jahre leben mit Fukushima" vom 26.-28. Februar 2016 in Berlin ein (www.tschernobylkongress.de). Ihnen und Ihren Lieben wünschen wir friedliche, gesunde und sichere Feiertage. Vielleicht sieht man sich im nächsten Jahr in Berlin wieder...

Mit freundlichen Grüßen
Henrik Paulitz und Dr. Alex Rosen

Potenziale erneuerbarer Energien in Japan

Wirdkraftwerk bei Wakkanai, Hokkaido. Foto: Aidan Wakely-Mulroney / CC BY-NC-ND 2.0 (Bildausschnitt)

Nach Fukushima wurden in Japan nach und nach alle Atomkraftwerke vom Netz genommen, ohne dass sich eine Stromlücke auftat. Derzeit ist lediglich einer von zuletzt 54 Atomreaktoren wieder am Netz. Eindrucksvoller lässt sich kaum demonstrieren, wie verzichtbar die Atomenergie selbst in einem Industriestaat wie Japan ist. Um die Importe überteuerter konventioneller Energieträger zu reduzieren, stellt sich die Frage nach dem Potenzial erneuerbarer Energien in Japan - einem Inselstaat mit viel Wind, viel Sonne und guten Möglichkeiten für die Nutzung der Geothermie und der Wasserkraft. Diverse Potenzialstudien zeigen vielfältige Möglichkeiten der Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien in Japan. Einige Studien fokussieren auf den Ausbau der Offshore-Windenergie in Konzernhand, andere untersuchen die Chancen der Nutzung erneuerbarer Energien „in Bürgerhand“. Es stellt sich in Japan also unter anderem auch die Frage, ob Großkonzerne oder ob Bürger/innen, Kommunen und kleinere Unternehmen von der Energiewende profitieren.

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Jeden Monat neue Schilddrüsenkrebsfälle

Schilddrüsenuntersuchung bei einem japanischen Mädchen, Foto: Ian Thomas Ash

Am 30. November 2015 veröffentlichte die Fukushima Medical University die neuesten Daten der Schilddrüsenuntersuchungen an Kindern in der Präfektur Fukushima. Diese bestehen aus zwei getrennten Teilen: einer sogenannten Baseline-Studie (“baseline screening”) und einer Hauptuntersuchung (“full scale examination”). Es zeigt sich, dass die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle beständig zunimmt. Inzwischen sind es 115 gesicherte, operierte, aggressive Schilddrüsenkarzinome - davon 100 im Erstscreening und 15, die sich in den letzten zwei Jahren neu gebildet haben.

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Hohe Strontium-Konzentrationen in Zähnen und Knochen

Strahlungsmessungen in der Region Fukushima. Foto: Susanna Lööf / IAEA, CC BY-SA 2.0  (Bildausschnitt)

Strontium-90 zählt als „knochensuchendes“ radioaktives Isotop, als reiner Betastrahler und mit seiner Halbwertszeit von 28,8 Jahren zu den gefährlichsten Emissionen bei Atomkatastrophen. Es wird vom Körper, ähnlich wie Kalzium, in Knochen eingebaut und kann dort das empfindliche Knochenmark schädigen und Leukämien verursachen. Das nur schwer messbare Isotop ist, wie eine Doktorarbeit der Tohoku-Universität Sendai zeigt, nicht nur in Bodenproben der verstrahlten Regionen nachweisbar, sondern auch in Zähnen und Knochen junger Rinder aus den Evakuierungsgebieten rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima - in Konzentrationen von rund 150 Becquerel Strontrium-90 pro Kilogramm.
Erschreckend ist vor allem, dass es sich dabei um Rinder aus Gebieten mit einer vergleichsweise geringen Ortsdosisleistung handelt. Das Strontium-90-Problem könnte weitaus größer sein als bisher dargestellt, zumal Strontium von Kulturpflanzen leichter aufgenommen werden kann als Cäsium und in einigen der untersuchten Proben die Strontium-Konzentrationen bereits höher waren als die von Cäsium. Mehr

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Streit über Dekontaminations-Müll in Japan

Untersuchung von Bodenproben in der evakuierten Zone in der Nähe des AKW. Foto: Susanna Lööf / IAEA, CC BY-SA

In Japan gibt es weiterhin großen Widerstand gegen die Regierungspläne zur Lagerung von kontaminiertem Müll. Insgesamt geht es um rund 166.000 Tonnen Kontaminationsmüll, Verbrennungsrückstände und radioaktives Reisstroh, die sich in Zwischenlagern in 12 Präfekturen angehäuft haben und  mit mehr als 8.000 Becquerel pro Kilogramm kontaminiert sind. 
Die Regierung hat Pläne für den Bau von sogenannten "Entsorgungsanlagen", also permanenten Lagerstätten für radioaktivem Müll, in den Präfekturen Miyagi, Ibaraki, Tochigi, Gunma und Chiba entwickelt, die aber wegen der starken Widerstände vor Ort bislang nicht umgesetzt werden können. In Kami in der Präfektur Miyagi beispielsweise haben Bürger den Umweltminister daran gehindert, die geplante Baustelle für eine Entsorgungsanlage zu betreten. Es wird argumentiert, dass der erdrutschgefährdete Standort für eine solche Anlage ungeeignet sei. Auch sei ungeklärt, wer letztendlich die Verantwortung für alles übernehme.
Das Umweltministerium hat es nach zahlreichen Fehlschlägen inzwischen aufgegeben, zu versuchen, das Gelände zu betreten. Beamte haben den Bewohnern allerdings mitgeteilt, dass es notwendig sei, die Anlage schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen, da die benachbarten Zwischenlagerstandorte nur als Notfallmaßnahme gewählt worden waren. Ein Wirbelsturm, eine Flut oder andere Naturkatastrophen könnten jederzeit den unzureichend gesicherten Strahlenmüll mitreißen. Im Herbst hatten Überflutungen bereits zahlreiche Mülldeponien mitgerissen und so die radioaktive Verseuchung der Flüsse drastisch erhöht.

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